Das soll keine Entschuldigung sein und auch keine Floskel, aber nach
13 Jahren mit zwei Howawarth’s, genoss ich und meine Frau seit einigen
Jahren die bequeme Unabhängigkeit, sich nicht überlegen zu müssen, ob
wir den Hund da oder dort hin mitnehmen können, was im Urlaub mit dem
Hund passiert oder wer jetzt bei Wind und Wetter mit dem Hund Gassi
geht.
Von den Hundehaaren, den Nasenabdrücken an den Fensterscheiben und den
Pfotenabdrücken in der Wohnung gar nicht zu sprechen.
Es gab viele Gründe dafür, keinen Hund zu haben.
Über eine Bekannte wurde ich zu einem Internet-Forum des Vereins Hunde
in Not Hanau e.V. eingeladen.
Aus Neugier las ich dort, was dieser Verein (und speziell Karen Berger)
alles leistete, um Hunde, die im Ausland auf ihre Tötung warteten oder
seit Jahren in ausländischen Tierheimen dahin vegetierten, ein neues
Zuhause zu vermitteln.
Und ich war beeindruckt. So viele Hunde, die ein neues Zuhause bekommen
haben.
Und ich gebe zu, die Schicksale jedes einzelnen Hundes berührten mich
zutiefst.
Aber auch das Leid, das viele dieser Hunde ertragen mussten oder noch
ertragen, ging nicht spurlos an mir vorüber.
Wie diese Tiere im Ausland gehalten werden, welche Qualen sie
durchstehen, und was alles nötig ist, um wenigstens einen kleinen Teil
dieser Tiere zu helfen, machte mich traurig und gleichzeitig wütig.
Ok, einen Hund wollten wir momentan nicht, aber helfen wollte ich schon.
Da die Homepage von dem Verein inhaltlich zwar super interessant war,
aber optisch grauenhaft aussah, schenkte ich dem Verein
Hunde-in-Not-Hanau.de im Dezember 2008 eine neue, überarbeitet Homepage.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Karen Berger und ich noch keinen Kontakt.
Umso überraschter war ihre Reaktion auf die neuen Seiten.
Wir telefonierten viel in der nächsten Zeit, besprachen die Inhalte, das
Design und ich übernahm fortan die Pflege der Seiten, um sie immer
wieder auf den neusten Stand zu bringen.
So erfuhr ich auch von Sunny’s (der damals noch Balou hieß) Schicksal.
Hallo, mein Webmaster.
Hier ein neuer Hund für unsere Vermittlungsseite:
Balou
ist 3 Jahre alt, er ist von seinem Ex Herrn Brutal getreten worden weil
er einfach nicht als Wachhund taugte.
Er ist sensibel sehnt sich nach Liebe, nach Händen die Ihn streicheln.
Balou fängt gerade wieder an Menschen zu vertrauen......
Balou hat KEIN aggressives Verhalten und würde lieber sterben als zu
beißen.
Er ist eine Seele von Hund und sucht Menschen mit Hundeverstand.
Update folgt ....
Als ich kurz darauf im April Karen besuchte, lag "Balou" zusammengerollt
in der Ecke und gestatte sich nicht mehr, als hin und wieder einen
verschämten Seitenblick.
Jeder hätte gesehen, wie dieser Hund versuchte sich unsichtbar zu
machen.
Jedes Geräusch, jede Bewegung im Umkreis von 20 Meter, jedes Laute Wort
ließ ihn zusammen zucken.
Schwer zu sagen, was so ein Hund durchgemacht haben muss, aber meine
Phantasie ist da sehr lebhaft.
So wunderte es mich nicht zu hören, das nach Aussage des Tierheims in
Ungarn (aus dem er stammte), der Besitzer das arme Tier regelmäßig
geschlagen und getreten hatte.
Er wurde bei Karen fürsorglich versorgt, jeder der an ihm vorbeikam,
streichelte ihn, sprach ihn ruhig an und auch die anderen Hunde
(besonderst die Welpen) schenkten ihm Ihre Aufmerksamkeit.
Aber Balou war noch sehr in seiner unterwürfigen Rolle gefangen und ging
sehr sparsam mit seinen wenigen, skeptisches Regungen um.
Er hatte einfach Angst – vor allem und jeden. Besonders Geräusche ließen
ihn ständig zusammen zucken.
Und essen wollte er auch so gut wie nichts.
Nur um mal zu schauen, wie er so reagiert, setzte ich mich in einem
Meter Abstand neben den Hund und versuchte ihn erstmal nicht zu
beachten.
Er versuchte dasselbe.
Nach 5 Minuten legte ich meine Hand in ca. 15 cm Entfernung von ihm auf
den Boden und warte was passiert.
Als Erstes zuckte seine Nase und er erschnüffelte den Geruch.
Dann langsam zeigte Sunny Interesse, hob den Kopf und ließ sich nach
einiger Zeit, wenn auch ängstlich, am Ohr krabbeln.
Sein Fell war stumpf und schmutzig, die Krallen unnatürlich lang und
durch seine Unterernährung sah man jede einzelne Rippe.
Die hinteren Wolfskrallen waren so lang, das sie sich wie zu einem Ring
geformt hatte und ihm fast ins eigene Fleisch schnitten.
Aber auf dem zweiten Blick war da ein wunderschöner Golden Retriver, der
einen mit seinen rehbraunen Augen schüchtern und ängstlich ansah.
Ok, die Pfoten sind ein wenig größer als normal, was darauf schließen
lässt, dass wahrscheinlich noch ein Hütehund in der Ahnenreihe zu finden
ist.
Aber dadurch wirkt er nur noch süßer und tappsiger.
Es dauerte nur ca. 10 weitere Minuten und er krabbelte (Millimeter für
Millimeter) langsam in meine Richtung, bis er nach einiger Zeit sich
fest an mich drückte und die Streicheleinheiten genoss.
Zwar nicht entspannt und immer auf der Hut, aber sichtlich nach Schutz
suchend und genießend.
Ich glaube, gegen ein intensives Ohrkraulen kann sich kaum ein Hund
verschließen.
Ich ging dann wieder weg und wiederholte das Ganze nach 20 Minuten noch
einmal.
Diesmal dauert es nicht so lange, bis er sich mir anvertraute.
Karen war sehr erstaunt über diese Reaktionen, da sie als Rudelmutter
bisher nicht so viel Aufmerksamkeit von ihm bekommen hatte.
Was auch verständlich ist, da sie ja auch die unangenehmen Dinge, wie
Medikamente verabreichen etc. machen musste.
Ich hätte jetzt gehen können, mit einem befriedigten Gefühl, einem armen
Tier einen Moment der Zuneigung geschenkt zu haben.
Stolz auf mein einfühlsames Wesen im Umgang mit Hunden.
Aber es kam anders. Heute glaube ich, ich hatte da schon mein Herz an
Sunny verloren.
Und er wusste es.
Das Vertrauen, das er mir entgegen brachte, wollte ich jetzt mit "einer
Runde Gassi gehen" belohnen.
Nur eine weitere kleine Geste der Hilfsbereitschaft.
Sollte ja für mich kein Problem sein – ich der Hundeflüsterer.
Kaum aus dem Hoftor draußen, wurde Balou lebhafter.
Allerdings nicht vor Freude, sondern weil er ständig, aus Angst vor
irgendwelchen Geräuschen, Schatten oder bösen Gegenstände (Fahrrad,
Blumenkübel, Traktor) zusammen zuckte und versuchte in die entgegen
gesetzte Richtung zu springen.
Tiefergelegt, den Schwanz zwischen den Beinen und ständig zuckte sein
Kopf von Rechts nach Links, um ja keine Gefahrenquelle zu übersehen.
Ich nahm ihn an der Leine kurz und das gab ihm wohl die nötige
Sicherheit reeeeelativ “bei Fuß“ zu laufen, wobei er bestimmt noch nie
in seinem Leben bei Fuß laufen musste / durfte.
Dafür machte er das eigentlich sehr gut, wenn man davon absah, dass er
alle 5 Sekunden die Seite wechselte.
Auf einer Wiese angekommen, konnte er gar nicht genug rumschnüffeln,
Gras fressen und jeden Strauch oder Busch begutachten.
Das schien völliges Neuland für ihn zu sein. Er wühlte sich durchs Gras
und ließ so gut wie keinen Grashalm oder Erdkrume aus.
Immer weiter und weiter..... bis ich langsam zurück wollte.
Er nicht.
Sobald ich ein Schritt zurück in die Richtung lief, aus der wir gekommen
sind, legte er sich hin und schaute mich mit großen treuen Augen an, als
ob er sagen wollte:
"... in die Richtung - NO WAY".
Es half kein Bitte und Zureden, keine Leinenruck und auch nicht noch so
viel Geduld.
Sunny rührte sich kein Stück.
Ich lief einmal um ihn herum und sieh da, in die Richtung, die er noch
nicht kannte, lief er problemlos weiter.
Auch eine Erkenntnis, wenn auch nicht sehr hilfreich.
Wir hätten wahrscheinlich stundenlang weiter laufen können, aber ich
musste jetzt wirklich langsam zurück.
Ihn auf allen Vieren durchs Dorf zurück zu ziehen war keine Option.
Also schnappte ich mir das Kerlchen (immerhin noch 27 Kg schwer) und
trug ihn zurück, weil jeder Versuch zwischendurch, das er selbst läuft,
wieder mit Hinlegen und hyperventilieren quittiert wurde.
Dazu kam, dass er wieder ängstlicher wurde, den Schwanz zwischen die
Beine zog und mich angstvoll anschaute, als ob ich ihn schlagen wollte.
Toll dachte ich, so viel zu deiner einfühlsamen Art und deinem Talent
als Hundeflüsterer.
Das Tragen fand er dafür super und leckte mir aus Dankbarkeit den ganzen
Rückweg freudig am Ohr.
Karen hatte auch ihren Spaß als sie mich ankommen sah (und erzählt es
wahrscheinlich heute noch jedem der es nicht hören will)
Für Sunny war es aber anscheinend ein prägendes Erlebnis.
Er stand im Hof, wedelte mit dem Schwanz und strahlte mich an.
Eine Reaktion, die er bis dahin jedenfalls noch nie an den Tag gelegt
hatte.
Als ich wegfuhr, kam mir zum ersten mal der Gedanke “Was wäre wenn…..?
Was wäre wenn wir uns wieder einen Hund zu legen würden.
Was wäre, wenn wir diesen armen Hund bei uns aufnehmen würden?
Aber nein, dafür sprach ja viel zu viel dagegen.
Unsere Katze würde das bestimmt nicht lustig finden und meine Frau auch
nicht.
Nein. Die Verantwortung, Tierarztbesuche, Gassi gehen, und, und…
Genau, und das so halbwegs bequeme und geregelte Leben würde sicher
ordentlich durcheinander geraten.
Aber was wäre wenn?
So emotionslos und beiläufig wie möglich, erzählte ich meiner Frau
abends von meinem Erlebnis und vermied es ihr dabei in die Augen zu
schauen.
“Wir schaffen uns jetzt aber keinen Hund an, oder?“
“Nein Schatz, spricht ja auch zu viel dagegen.“
“Der Katze würde das auch nicht gefallen“
“Nein, bestimmt nicht.“
“Und die Zeit, die wir da investieren müssten. Gassi gehen,
Hundeerziehung, etc.“
“Ja, hast schon recht“
“Ich will keinen Hund.“
“Ich doch auch nicht, war nur schön, mal wieder nen Waufi gekrabbelt zu
haben.“
Wir kennen uns nun schon 17 Jahre – und meine Frau glaubte mir kein
Wort.
Nach oben
Der nächste Sonntag war einer der wärmsten Tage des Aprils. Der
wärmste in den letzten 10 Jahren wurde später in den Nachrichten
gebracht. 26 Grad und keine einzige Wolke am Himmel.
Ein wunderschöner Tag um spazieren zu gehen.
Zufälligerweise musste ich noch
irgendwas bei Karen abgeben.
Da lag die Idee ja nahe, dort vorbei zu fahren und mal mit dem armen
Hund spazieren zu gehen.
“Würde uns allen gut tun. Uns und dem Hund, oder?“
“Na gut. Ich will aber keinen Hund.“
“Nein Schatz, nur spazieren gehen.“
Als wir auf dem Hof von Hunde in Not Hanau e.V. kamen, lag Sunny
wieder in seine Ecke eingerollt.
Als er mich sah, wedelte er zaghaft, verstohlen mit seinem Schwanz, was
ich deutlich als Wiedererkennungszeichen deutete.
Und siehe da, nach kurzem Überlegen stand er auf und wedelte jetzt für
jeden sichtbar mit dem Schwanz.
Wir setzten uns erstmal an einen Tisch und nahmen Sunny an der Leine zu
uns.
Niemand weiß genau was in einem Hundekopf wirklich vorgeht, aber Sunny
schien genau zu wissen, wie er sich hier präsentieren muss.
Er zeigte sich von seiner besten Seite.
Immer noch schreckhaft, hin und wieder ängstlich, aber er freute sich
sichtlich, forderte bei mir und meiner Frau seine Schmuseeinheiten ein
und sein kürzlich gewaschenes Fell, ließ erkennen was für ein hübscher
Kerl er ist.
Karen erzählte dann, dass er jetzt schon besser an der Leine lief, wobei
sie ihn beim Gassi gehen austricksten und einen Rundweg liefen, so das
er am Ende wieder vor dem Haus raus kam.
Ich drückte meiner Frau die Leine in die Hand und wir marschierten mit
Sunny los.
Und wirklich, es ging schon viel besser.
Ok, nicht wirklich bei Fuß und er lief immer noch tiefergelegt, zuckte
vor jedem Schatten zurück und erschrak sich bei fast jeden beweglichen
Gegenstand, aber es ging schon viel zügiger und als er sich einmal
hinlegte und nicht weiter wollte, dauerte es nur ein paar Minuten und
ein paar Ohrkrauleinheiten und er lief brav weiter.
Ich verbuchte das als erste Erfolge in ein “normales Hundeleben“.
Zurück auf dem Hof sah ich wie meine Frau Sunny beobachtete.
Wie verhält er sich mit anderen Hunden? (zurückhaltend, aber gelassen!)
Wie verhält er sich mit den Kindern? (gelassen, aber aufmerksam!)
Wie verhält er sich ihr gegenüber? (wie ein echter Charmeur)
Karen erzählte von Ihren Eindrücken zu Sunny, aus den letzten Tagen und
das er, seit dem ich das erste mal da war, schon enorme Fortschritte
gemacht hat.
Das es aber das Beste für Sunny wäre, vom Hof und aus dem “Rudelstress“
(zeitweise waren bis zu 7 Hunde da) rauszukommen, da er sonst immer
wieder schnell in die unterwürfige und zurück gezogene Rolle zurück
fiel.
Hier war es auch, als zum ersten Mal das Wort PFLEGEFAMIELE fiel.
Das war ein völlig neuer Aspekt.
Man legte sich keinen neuen Hund zu, sondern nahm aus Tierliebe und
Hilfsbereitschaft einen Hund zur Pflege auf.
Nur so lange, bis ein neues Zuhause gefunden wurde.
Unsere Rückfahrt verlief erst sehr schweigsam.
“Und, war doch schön, oder?“
“Ja, is schon ein Süßer?“
“Ja, und das Gassi gehen ging wirklich schon viel unproblematischer als
beim letzten mal.“
“Hmmm. Aber wir wollen trotzdem keinen Hund - -stimmts?“
“Nein. Was wollen wir den heute Abend essen?“
Zufälligerweise ist ein guter Freund von mir Tierarzt, dem ich hin
und wieder bei der Pflege und bei Problemen seiner Praxis-PC’s helfe.
Da lag es ja nahe, das ich am nächsten Tag mir den Sunny von der Karen
“auslieh“ und mit dem Hund mal bei meinem Freund vorbei schaute.
Das bedeutete aber auch Autofahren.
Autofahren ist für fast alle Hundebesitzer ein wichtiger Aspekt.
Nicht alle Hunde vertragen das Autofahren, was oftmals zu hässlichen
Flecken auf dem Teppich, den Kopfstützen oder den Sitzen führt.
Inzwischen gibt es sogar zahlreiche Mittelchen und Tabletten von der
Pharmaindustrie mit mehr oder weniger Reisekrankheit unterdrückendem
Erfolg.
Andere Hunde sitzen im Heck der Autos und hecheln derart, das die
Scheiben beschlagen und man meint, der Hund läuft jeden Meter der
gefahrenen Strecke mit.
Sunny hingegen sprang nach kurzem Zögern freiwillig ins Heck meines
Kombis, legte sich hin und fühlte sich wohl.
Auch während der Fahrt blieb er völlig ruhig und entspannt liegen und
hob nur ab und zu mal den Kopf um aus dem Auto zu schauen.
Es schien ihm so zu gefallen, dass ich viel Überredung brauchte, dass er
später auch wieder ausstieg.
Der Hund überraschte mich immer mehr – im positiven Sinne.
Nach oben
Die meisten Hundehalter werden wissen was ich meine.
Hunde haben einen sechsten Sinn, wenn es um Termine beim Tierarzt geht.
Schon auf dem Weg dahin werden die meisten unruhig.
Und im Wartezimmer von hunderten von Tierärzten sitzen, die sonst
mutigsten und verwegensten Hunde und werden zu hyperventilierenden
Nervenbündel.
Sunny nicht. Er schaut mich nur an – voller Gottvertrauen – und mir
treibt es fast die Tränen in die Augen.
Er vertraut mir, dass ihm hier nichts Schlimmes widerfährt.
Und das, obwohl ich bisher so gut wie nichts gemacht habe, das dieses
Vertrauen rechtfertigt.
Oder vielleicht doch? Was wäre wenn…?
Ich kann nur jedem Hundebesitzer empfehlen, (was auch für Eltern von
Kindern gilt) öfters mal zum Arzt gehen, wenn Nichts gemacht werden
muss, um so zu zeigen, hier passiert nichts Schlimmes.
Das prägt und macht spätere Besuche beim Arzt viel angenehmer.
Sunny bekam die Wolfskrallen ein wenig gestutzt, wurde abgehört und
begutachtet und ließ das Alles tapfer mit sich machen.
Kein Knurren, kein Meutern, sitzt einfach brav da und himmelt mich an.
Das Fazit vom Arzt war, Sunny hat zwar noch zu wenig Gewicht und muss
mal richtig aufgepäppelt werden, aber sonst, bis auf einen Zahn der
entfernt werden muss, ein kerngesunder Rüde.
Nach oben
Danach fuhren wir beide erst mal zu mir in die Firma.
Nur mal so, um zu sehn wie er sich da verhält!!!
Hier erkannte ich erstmal seine Tür-Phobie!
Um durch eine Tür zu gehen, braucht es viel Geduld, gutes zureden und
einen konsequenten Zug am Halsband.
Und es gilt das Prinzip: Wenn der halbe Hund durch ist, geht der Rest
von allein.
Aber! Eine weitere Regel ist: der Weg zurück durch die Tür geht ohne
Probleme.
Leider aber auch sofort. Heißt, bevor ich die Türe hinter ihm zumachen
konnte, war es auch schon wieder draußen.
Erstmal kein Problem, da er jetzt wieder in dem geschlossenen Innenhof
stand und mich schwanzwedelnd anschaute.
Das Spielchen machten wir drei Mal.
Bis ich mir dachte: ok, komm halt rein wenn du dazu bereit bist.
Ich ging rein und beobachtete ihn dann heimlich, wie er da stand und
überlegte.
Er steckte dann den Kopf in den Raum und schnüffelte erstmal ausgiebig.
Und schwubbs, war er wieder draußen.
Dann kam er ca. 10 cm in den Raum rein – schnüffeln – und wieder raus.
Im nächsten Anlauf 30 cm rein - schnüffeln – und wieder raus.
Nach 10 Minuten stand er endlich schwanzwedelnd vor mir, als ob er sagen
wollte:
“Na, hab ich das nicht toll gemacht?“
Und ich war stolz auf ihn.
Diese Tür hatten wir gemeistert, aber es sollten noch viele Türen
folgen.
Nach oben
Am Nachmittag, nach einem fast völlig problemlosen Spazieren gehen,
wollte ich dem Hund mal mein Zuhause zeigen.
Nur mal so, um zu sehn wie er sich da verhält!!!
Hier gibt es erst Mal 5 Treppenstufen zu überwinden und dann folgen zwei
böse Türen.
Die Treppenstufen erklomm Sunny fast im sitzen, was mir Tränen vor
Lachen in die Augen trieb.
So was Komisches hab ich schon lange nicht mehr gesehen und hätte man
filmen sollen.
Würde sicher ein Klassiker bei YouTube werden.
Aber die zwei Türen hatten es in sich.
Zum vereinfachen öffnete ich beide Türen sperrangelweit (der 5 Meter
Rollleine sei an dieser Stelle mal ein Loblied gesungen) und stellte
mich hinter der zweiten Tür um die Ecke.
Hier angekommen rief ich nun mit Engelszungen nach Sunny.
“Komm mal her – Hiiieeeer – Süßer – Balou (so hieß er ja da noch)“
Als ich nach mehreren Minuten schon aufgeben wollte, spürte ich auf
einmal, dass die Leine nachgab.
Er bewegte sich auf mich zu.
10 cm in den Vorraum rein – schnüffeln – und wieder raus.
Im nächsten Anlauf 30 cm rein - schnüffeln – und wieder raus.
Nach einigen Minuten stand er in unserer Wohnung und ich konnte die
beiden Türen hinter ihm schließen.
Ein kleiner Schritt für die Menschheit – ein großer Schritt für Sunny.
Die nächste halbe Stunde verbrachte Sunny damit alle Zimmer (5 Stück) zu
erkunden.
Jedes Mal nach dem gleichen Rein - Raus - Prinzip. Und so was dauert.
Als er aber das letzte Zimmer erfolgreich überwunden hatte, schienen
diese Türen, ihren größten Schrecken verloren zu haben und er bewegte
sich fast frei in der ganzen Wohnung.
Alles wurde angeschnüffelt und untersucht und besonders meine 10 Jahre
alten Birkenstocksandalen hatten es ihm angetan.
Nach oben
Unsere Katze ist dreibeinig und das schon seit sie klein war.
Sie hatte sich die linke Vorderpfote irgendwo gequetscht, so das sie
unterhalb des Beugegelenks amputiert werden musste.
Aber frei nach dem Motto, was uns nicht tötet - härtet uns ab, hat sie
sich zu einer sehr selbstbewussten und dominierenden Persönlichkeit
entwickelt.
Sie wurde mit zwei Hunden groß, hat einen Kater überlebt und ist auf
unserem Grundstück die ungekrönte Königin.
Selbst unser Haushund aus dem zweiten Stock hat sich in die Hierarchie
eingefügt.
Als sie durch die Katzenklappe rein kam und Sunny sieht, ist sie erstmal
völlig perplex.
Ein Blick zu mir – “was soll denn das?“
Ein Blick zu Sunny – “Was willst du denn hier?“
Dann folgte der obligatorische Buckel und Sunny – ja, hmmm, Sunny
ignorierte sie, als ob sie Luft wäre.
Kein Zeichen von Interesse, keine Angst oder Demut.
Weder Jagd oder Spieltrieb, aber zum Leidwesen der Katze, auch kein
Respekt oder gar Fluchtverhalten.
Mit irgendeinem Verhalten hätte unsere Katze umgehen können.
Bei dem kleinsten Zeichen von Unterwürfigkeit, hätte sie schamlos die
Situation ausgenutzt und auf Lebzeiten oder gar Generationen die
Hierarchie in unserm Haus festgelegt.
(Spätestens hier hätte ich kapituliert und nie mehr an “Was wäre wenn?“
gedacht)
Aber Sunny beachtete sie mit keinem Blick, ging in 30 cm an ihr vorbei
und beschnüffelte erstmal die Katzenklappe, drehte sich um und wanderte
weiter.
Die Katze saß 2 Minuten ratlos rum, bekam ein paar aufmunternde
Krabbeleinheiten von mir und verzog sich dann langsam durch Ihre
Katzenklappe nach draußen auf die Terrasse.
Aber auch Sunny hatte inzwischen den Weg durch die Balkontür gefunden,
so dass das Zweite Aufeinandertreffen schneller kam als gedacht.
Bis ich draußen auf der Terrasse ankam, lag Sunny schon langgestreckt
auf den Fließen.
Die Katze thronte auf dem Tisch und beobachtete Sunny aus der
Vogelperspektive.
Ich setzte mich zu den beiden in die Sonne und machte in Gedanken einen
Hacken an meine visuellen Liste:
Katze kein Problem!
Am späten Nachmittag brachte ich Sunny wieder auf den Hof von Hunde in
Not e.V. zurück und erzählte Karen bruchstückhaft von unserem Tag.
Vorsichtig erklärte ich Karen, das ich mal mit meiner Frau reden werde,
ob wir vielleicht, unter Umständen, zur Probe, den Hund als Pflegehund
zu uns nehmen wollen.
Natürlich mit der Option, falls es nicht gehen würde, ihn wieder zurück
bringen zu können.
Nicht dass ich das vorgehabt hätte – aber diesen kleinen Notanker musste
ich meiner Frau als Notausstieg zugestehen.
So vergingen noch 5 Tage mit zweimal Gassi gehen, bis wir am kommenden
Sonntag unseren PFLEGEHUND zu uns holten.
Nach oben
Von Karen hatten wir einen Ständer mit zwei Hundeschüsseln bekommen,
den wir jetzt erstmal aufbauen mussten.
Die Frage war jetzt, wohin damit.
Hört sich einfach an, aber es war doch der erste entscheidende Punkt: Wo
bekommt der Hund zukünftig sein Fressen.
Bei uns hießen die Alternativen Flur oder Küche.
Im Flur standen schon die beiden Schüsselchen von der Katze, also
entschieden wir uns für die Küche.
Sunny erkundete derweil wieder die Wohnung, wieder nach dem Rein – Raus
– Prinzip, diesmal aber deutlich schneller und jetzt schon mit viel mehr
Selbstbewusstsein.
Während wir uns überlegten, mit was wir Sunny kulinarisch verwöhnen
könnten, hatte er inzwischen unsere Couch im Wohnzimmer als idealen
Liegeplatz entdeckt.
Oh je…
Das wollten wir gleich unterbinden.
Schnell ging ich auf Sunny zu und bat ihm mit einem deutlichen Komando
“AB“ von der Couch.
Und Sunny verstand – ok, nicht unbedingt das was ich meint – aber er
fühlte sch angesprochen.
Er drehte sich auf den Rücken, streckte alle Viere in die Höhe und
wedelte mit dem Schwanz.
“Jetzt nur nicht lachen, lächeln oder sonst irgendwie zweigen, das du
dich am liebstem über ihn kaputtlachen möchtest“
Der Erste instinktive Reflex wäre, sich herunter zu beugen, ihm dem
Bauch zu krabbeln, mit ihm zu schmusen und irgendwann später mal in
einem Gespräch Mann zu Mann das Thema Couch zu besprechen.
Aber aus der Erfahrung mit unseren zwei Howawarths wusste ich, was diese
Sorte von Hund einmal gelernt hatte, vergaßen sie so gut wie nie mehr –
im Guten wie im Schlechten
.
Also wollte ich noch mal mit dem Kommando “AB“ und einem Zug am Halsband
Sunny von der Couch holen.
Aber als ich das Halsband auch nur anfasste, quiekte er auf, als ob ich
ihn furchtbar geschlagen hätte.
Upps…damit hatte er wohl eine sehr schlimme Erfahrung abgespeichert.
In Sekundenschnelle schaltete ich um, krabbelte ihn am Ohr und schob
aber gleichzeitig sein Hinterteil langsam, aber unaufhaltsam von der
Couch.
So rutschte er langsam herunter und blieb freudig strahlend vor meinen
Füssen liegen.
Jetzt wurde erstmal ausgiebig gekuschelt.
Aber sobald ich aufhörte ihn zu streicheln, versuchte er aufzustehen und
erneut auf die Couch zu steigen.
Nettes Spiel. Streicheln und Kuscheln war wohl eher eine Belohnung.
Fazit für die Zukunft: Unarten dürfen nicht belohnt werden.
Zur Ablenkung nahm ich ihn erstmal wieder mit in die Küche und machte
die Wohnzimmertür zu.
Puhhh, da liegt noch viel Arbeit vor uns, aber auch um das Problem
werden wir uns noch kümmern.
Andererseits hat es mir gleich am ersten Tag auch gezeigt, nicht der
Hund macht Fehler, sondern ich in meinem Verhalten.
Interessanter Weise, stellte ich schnell fest, dass wenn ich mich in
mein Arbeitszimmer setzte, er lieber mir zu Füssen liegen wollte – die
Couch war dann uninteressant.
Nur wenn wir ihm keine Aufmerksamkeit schenkten oder wir selbst auf der
Couch lagen, wollte er auf die Couch.
Nach vielen vergeblichen Versuchen (an diesem Tag), gab er schließlich
auf und legte sich davor ab und versuchte nur noch alle halbe Stunde, ob
sich was am Status geändert hat.
Dann kam die erste Nacht.
Zur Situation:
Er (Sunny) – liegt entspannt auf dem Boden.
Wir gehen ins Schlafzimmer und machen alle Lichter aus.
Kaum das wir liegen, hören wir das verdächtige Knarren der Couch.
Ok, meine Frau und ich einigen uns darauf:
Tagsüber gehört die Couch uns – nachts ihm!
Nach oben
Sunny ist noch sehr schneubisch (hess.: wählerisch) bei der Auswahl
seiner Nahrungsmittel.
Von Karen bekamen wir einige Packungen an Trockenfutter, aber das
würdigt er nicht mal mit einem Blick.
Von Karen wusste ich aber, dass Sunny auf die etwas andere Rohkost
steht.
Rohes Fleisch!!! Und am liebsten Hühnerschlegel.
Von vielen Bekannten hörte ich,“Wie? Du fütterst Geflügel. Da bleiben
dem Tier doch die Knochen im Hals stecken?“
Dachte ich bis dahin auch – aber, falsch.
Nur wenn die Geflügelteile gekocht oder gebraten werden, werden die
Knochen spröde und splittern.
Im Rohzustand sind sie weich und flexibel und ein wahrer Gaumenschmaus
für Sunny.
Wir haben einen türkischen Discounter um die Ecke, der hat die
frischesten Fleischwaren (alles bis auf Schwein) und kostet gerade mal
die Hälfte von dem, was man beim Metzger oder im Supermarkt zahlt.
Ein Hühnerschlegel (250 -300 Gramm) kostet da gerade mal 30 – 40 Cent.
Ein Rinderknochen (Dinosauriergröße) gibt es meistens umsonst und mein
Geheimtipp: Hühnerherzen.
Die kleinen Dinger gehen normalerweise auch als “Belohnungs-BonBon“
durch.
(Ok, nicht gerade bei Sunny, aber zu den Leckerlies kommen wir noch
später)
Ein bisschen kleingeschnitten und mit “eingeweichtem“ Trockenfutter
vermischt, pickt sich Sunny zwar die Brocken heraus, aber ca. ½ bis 2/3
des Beifutters schluckt er notgedrungen mit runter.
Das klappt auch ganz gut mit Dosenfutter.Zwar nicht jedes – er ist halt
wählerisch, aber Rind und Huhn findet er ganz ok.
Damit neigt Sunny aber dazu, als Biogasproduzent Karriere zu machen.
Nach einigem rumprobieren fanden wir raus, das er auch mächtig Spaß an
Ochsenziemer hat.
Nur verstehe ich absolut nicht, warum die Dinger so teuer sein müssen?
Ein ganzer Ochsenziemer kostet ca. 3 bis 5 Euro. Eigentlich dachte ich,
das dass ein Abfallprodukt ist, aber die Hundefutterindustrie hat wohl
gemerkt, da ein einträglicher Markt ist.
Wer, außer Hundebesitzer, hat sonst ein Interesse an getrockneten
Ochsengeschlechtsteile?
Naja, man gönnt sich (nee, seinem Hund) ja sonst nichts J .
Mit ein bisschen gutem Willen und Zeit bekommen wir also das
Untergewicht von Sunny sicher in den Griff.
Nach oben
Es kommt ja ständig vor, dass man andere Hunde mit ihren Herrchen
oder Frauchen trifft und die entscheidende Frage ist dann, wie reagiert
mein Hund?
Zum Glück ist Sunny da völlig entspannt, jedenfalls was die Hunde
angeht.
Sunny hat aber ein Problem mit “Fremden“.
Es dauert immer eine Weile, bis Sunny bei einem ihm Unbekannten
entspannen kann, in der Regel so ca. 15 Minuten. Das haben inzwischen
auch unsere Bekannten mitbekommen. Je nachdem wie sie sich verhalten
geht’s ein bisschen schneller oder dauert eben etwas länger.
Als ich heute aber Gassi ging, kam ein Hundehalter mit so einem kleinen
tiefer gelegten Wusel (Terrier-Dackel-Pintscher-Mix) an.
Sunny an der Leine, weil bei ihm das Kommando “Hier“ in freier Wildbahn
noch gar nicht klappt.
Der kleine Wusel ohne Leine.
Allerdings klappte bei ihm das Kommado “HIER“ auch nicht.
Die beiden hatten ihren Spaß zusammen, wobei der Kleine ständig unter
Sunny durch lief.
Jetzt wollte das Herrchen von dem Kleinenm ihn aber wieder einfangen,
was zur Folge hatte, das dass Herrchen hinter seinem Hund herlief, Sunny
vor dem Fremden weg lief, der Kleine hinter Sunny her und ich in dem
Chaos versucht, von der Rollleine nicht erdrosselt zu werden.
Erst als ich den Mann bat, einfach mal stehen zu bleiben, gelang es mir,
den Kleinen mit einer Hand am Halsband zu packen, während ich mit der
anderen Hand meinen völlig verschreckten Sunny am Flüchten hinderte.
Oh man, so lernt man auf jeden Fall andere Leute kennen.
Ich glaub, ich muss mit Sunny öfters mal in der Fußgängerzone spazieren
gehen und hoffe, das Sunny irgendwann mal auch ohne Leine spazieren kann
- jedenfalls so, das er dann auch wieder kommt.
Nach oben
Bei meinem Besuch beim Tierarzt, wurde bei Sunny ja ein Zahn
festgestellt, der raus musste.
Er hatte eine sehr graue Farbe, war schon ein wenig locker und roch auch
stark.
Deshalb hatte ich für heute einen Termin zum Zahnziehen ausgemacht und
das geht nun mal nur unter Narkose.
Sunny kam wieder heldenhaft ins Wartezimmer und wartete geduldig bis wir
dran waren.
Auch die Spritze mit dem Narkosemittel ließ er sich tapfer geben und
sank dann gemächlich in meinen Armen in den Schlaf.
Den Zahn zu ziehen dauerte gerade mal 3 – 4 Minuten und als er dann
draußen war, sah man, wie übel der schon von Innen zerfressen war.
Das hätte auch bald ne böse Entzündung geben können.
Das Sunny damit überhaupt noch was essen konnte zeigte, dass er entweder
Schmerzen gut ertragen kann oder der Nerv schon mit weggefault war.
Er bekam noch an ein paar anderen Stellen den braunen Zahnstein
weggemacht und wir brachten ihn in den Aufwachraum.
Es dauerte dann ca. 20 Minuten, da hob er schon wieder den Kopf.
Nach weiteren 20 Minuten versuchte er langsam aufzustehen und nach
insgesamt 50 Minuten war er soweit, wenn auch torkelnd, mit mir die
Praxis wieder zu verlassen.
Ich hob ihn ins Auto und wir fuhren erstmal nach Hause.
Dort angekommen, kam er in die Wohnung und machte sich erstmal über das
Katzenfutter her.
Danach leerte er seinen Topf und stand dann fragend in der Küche “Gibt’s
noch was?“
Unsereins hätte sich erstmal für ein paar Tage krankschreiben lassen und
hätten irgendwann mal angefangen Suppe zu schlürfen.
Sunny schien richtig Appetit bekommen zu haben.
Ich denke mal, dass er vorher nur den Geschmack von seinem faulen Zahn
im Mund hatte und jetzt erst wieder richtig riechen und schmecken
konnte.
Ich füllte ihm seinen Napf gerne noch mal und freute mich über jeden
Bissen den er nahm.
Schließlich sollte er noch etwa 6-7 Kg zunehmen, damit er wieder
Normalgewicht erreicht.
Danach legte er sich auf die Terrasse und genoss die warme Sonne.
Die Terrasse ist ca. 1,70 über dem Boden und der Großteil des Geländers
ist mit Rosen zugewachsen.
Ideal um rauszuschauen, aber nicht gesehen zu werden.
Ich saß also mit da, genoss meinen Kaffee, als ein DHL-Wagen vor unserm
Grundstück hielt.
Der Fahrer stieg aus und klingelte bei unseren Vermietern im ersten
Stock.
Ich weiß nicht ob es an dem Fahrer oder an der Klingel gelegen hatte,
jedenfalls stand Sunny auf einmal auf und fing mit tiefer Bariton-Stimme
an zu bellen.
Nicht das ich nicht weiß das und wie Hunde bellen können.
Aber zum ersten Mal hörte ich Sunny bellen.
Ich stand auf, ging zu ihm und krabbelte ihn am Ohr und bat ihn mit
einem beruhigenden “Aus“ mit dem Bellen aufzuhören und setzte mich dann
wieder hin um ihm zu zeigen, das ich die Situation im Griff habe.
Was auch klappte und er entspannte sich wieder.
Aber jetzt wusste ich, Sunny war Zuhause angekommen und war bereit,
jedem mitzuteilen
“Hier wohne ich!“
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Man (Frau) erwartete ja meistens, wenn man einen ausgewachsenen Hund
sieht, das der automatisch die Kommandos “SITZ“, “PLATZ“ und “KOMM HER“
kann.
Die wenigsten Leute machen sich Gedanken, welche Arbeit da dahinter
steht und denken, das dass ein Hund, ab einem bestimmten Alter, einfach
kann – so wie Kinder irgendwann Laufen lernen.
Wenn man einen Welpen bei sich aufnimmt, wächst dieser meist spielerisch
mit diesen Kommandos auf und verinnertlich diese nach und nach.
Aber auch nicht von selbst, sondern nur durch ständiges wiederholen,
hier und da ein Leckerli und konsequentem Training.
Das erklärt auch, warum das bei manchen Hunden besser klappt, als bei
anderen.
Es liegt dabei so gut wie nie am Hund, sondern wie konsequent und
diszipliniert das Herrchen oder Frauchen, besonders in der Prägephase
ist.
Wenn ein Hund z.B. vor dem überqueren einer Strasse mal “SITZ“ oder
"WARTEN" machen muss (was ich sehr vernünftig finde) und das nächste Mal
(weil man es gerade Mal eilig hat) wieder nicht, wird der Hund das
schwer verinnerlichen.
Und so ist es dann auch mit dem Kommando “KOMM HER“.
Er wird mal kommen und mal nicht. So jedenfalls meine Philosophie.
Bei einem ausgewachsenen Hund von 3 ½ Jahren, wie Sunny, der nie im
Leben solche Kommandos bekommen hat, fällt das Lernen umso schwerer aus.
Besonders weil Sunny der erste Hund ist (den ich kenne), der nicht mit
Leckerlies zu bestechen ist.
Egal ob Frolic, Leberwurst, Fleischwurst oder sonstigen Leckereien, die
normalerweise selbst Nachbars Lumpy zu einem locken, reagiert Sunny mit
Nichtachtung und nimmt es vielleicht, unter Umständen, wenn es denn sein
muss…..und dann nur erstmal kurz in den Mund, spuckt es dann wieder aus
um es genau zu beschnüffeln, um es dann vielleicht wieder zu essen.
Allerdings isst er dann in Zeitlupe.
Ein Frolic, das unser Haushund einfach inhaliert, braucht bei Sunny ca.
1-2 Minuten bis es den Weg von meiner Hand in seinen Bauch gefunden hat.
Ok, bei Hühnerherzen hab ich ihn schon mal zum “SITZ“ machen überreden
können, aber da war er auch sehr hungrig und es kann vielleicht auch nur
Zufall gewesen sein, das er nach dem 10-mal “SUNNY SITZ“, sich auch
wirklich setzte.
Aber, beim nächsten Mal dauerte es nur noch 8-mal. Vielleicht ein
Erfolg.
Entscheidend ist auch, ob es sich bei uns in der Wohnung (“sicherer
Terrain“) oder draußen (“sehr unsicheres Terrain“) abspielt.
In der Wohnung redet man sich zwar auch den Mund fusselig, aber hin und
wieder macht er dann doch mal PLATZ, SITZ oder kommt sogar wenn man ihn
ruft.
Dafür wird er dann auch ausgiebig geknuddelt.
Draußen beim Gassi gehen scheint die einzigste Verbindung zwischen mir
und Sunny die Rollleine zu sein.
Alles andere ist viel wichtiger, interessanter oder könnte ja was Böses
sein, das man im Auge behalten muss.
ABER, nach einem kleinen Ruck an der Leine und dem Kommando „WARTEN“,
bleibt Sunny jetzt wirklich schon an der Bürgersteigkante stehen und
wartet geduldig bis ich ihn auffordere weiter zugehen.
Auch wenn es für den Rest der Welt banal und völlig unwichtig erscheint,
für mich ist das wie Weihnachten und Sylvester zusammen:
Sunny lernt – und wenn ich genau darüber nachdenke, eigentlich auch
schnell.
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Der Tag heute war sehr entspannt.
So langsam kommt bei uns auch so was wie alltägliche Routine auf.
Aufstehen, anziehen, “Gassi gehen“, Hund füttern, frühstücken, zur
Arbeit fahren (Sunny liegt in der Zeit bei mir unterm Tisch und
schläft), Mittags “Gassi gehen“, Hund füttern, nach der Arbeit “Gassi
gehen“, Hund füttern, vor dem Schlafen gehen “Gassi gehen“ – jedenfalls
so etwa in Kurzform.
Natürlich zwischen durch immer wieder mit kleinen Pausen, in denen wir
spielen und knuddeln.
Aber spielen hat Sunny bisher auch noch nicht wirklich gelernt.
Spielen heißt für Sunny, um mich rum hüpfen, mit den Pfoten nach mir
hauen und hin und wieder versuchen zärtlich mir in die Arme zu beißen.
Ich versuch ständig ihn auf irgendein Spielzeug zu fixieren, aber weder
Ball, Stock oder sonst was ist für ihn interessant genug, länger als für
einen kurzen Moment in die Schnauze zu nehmen.
Das einigste was interessant genug war, war ein Geschirrhandtuch mit
einem Knoten in der Mitte.
Doch danach war erstmal jedes Stück Stoff interessant genug um mal
darauf rumzubeißen.
Also, kein Spielen mehr mit dem Handtuch!!! Auch wir lernen dazu.
Als ich Sunny abends, so um 22:30 Uhr noch mal ausgiebig am Bauch
krabbelte, verstand er das auf einmal als Aufforderung zum Spielen und
jagte, wie von einer Tarantel gestochen, durch unsere Wohnung. Er sprang
mit allen Vieren gleichzeitig vom Boden ab, rutschte über den
Fliesenboden und wurde erst am Bücherregal wieder abgebremst. Sofort kam
die nächste Scheinattacke auf mich und wieder ging’s ab durch die
Wohnung.
Das Kerlchen war kaum zu beruhigen, sodass ich ihm, bevor noch was zu
Bruch ging, schnell an die Leine nahm und aus dem Haus ging.
Glücklicherweise gibt es bei uns um die Ecke ein kleines eingezäuntes
Wiesengrundstück, in dem ich ihn, ohne das er abhauen kann, ohne Leine
laufen lassen konnte.
Hier drehte er jetzt richtig auf.
Er rannte fast 4 Minuten am Stück, in einem Affenzahn, in Kreisen und
Achten rund um mich rum und hatte so richtig Spaß am Dampf ablassen.
Dann fiel er wie ein gefällter Baum in sich zusammen, strahlte mich
hechelnd an und wälzte sich genüsslich über den Boden.
Wir tobten dann noch einen Moment zusammen über die Wiese und mir wurde
klar, der Hund war bisher nicht ausgelastet.
Das mussten wir ändern.
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Mit der Erfahrung vom Vortag war mir klar, entweder musste ich mit
Joggen anfangen oder Sunny muss lernen am Fahrrad mit zu laufen.
Wenn ich ehrlich bin, dachte ich, dass ich mit meinen 103 Kilo eher mit
joggen anfange, als dem sich vor ALLEM erschreckenden Hund das “am
Fahrrad laufen“ beizubringen.
Aber da ich auch meine Faule Seite habe, holte ich Abend mein Fahrrad
raus und zeigte Sunny erstmal, das er davor keine Angst zu haben
braucht.
Wir machten uns dann auf zur ausgiebigen Gassi-Runde.
Links Sunny an der Rollleine – Rechts schob ich das Fahrrad.
Erstaunlicherweise war Sunny das Fahrrad völlig egal.
Selbst Radfahrer die uns entgegenkamen wurden kaum beachtet.
Nach ca. einem Kilometer wurde ich übermütig und versuchte auf das
Fahrrad aufzusteigen.
Das schwungvolle Ausholen meines Beines, als ich mich über den Sattel
schwang, quittierte Sunny erstmal mit einem verschreckten Sprung von mir
weg. Ich konnte gerade noch die Fahrradbremse mit der rechten Hand
ziehen, als die Rollleine in der linken Hand abgerollt war.
Es hätte nicht viel gefehlt und wir wären das erste Mal auf der Nase
gelegen.
Ok, das war zu optimistisch gewesen und wir liefen erstmal wieder einige
Meter mit dem Fahrrad schiebend.
Beim zweiten Versuch ging ich vorsichtiger ans Werk. In einem Moment,
als Sunny gerade abgelenkt war, stieg ich auf das Fahrrad und rollte, so
das Sunny es fast gar nicht bemerkte, neben ihm her.
Er schaute nur kurz in meine Richtung und wurde ein wenig schneller.
Und was soll ich sagen, die nächsten 4 Kilometer (bis auf die Stellen,
wo es um eine Kurve bzw. eine Ecke ging) fuhren wir mit dem Fahrrad.
Sunny im leichten Trapp und so als ob er das täglich machen würde.
Er hatte mich mal wieder völlig erstaunt.
Nicht das das perfekt lief, ich passte mich sehr seinem Laufstiel an und
war sehr darauf bedacht, keinen Zug auf die Rollleine zu bekommen und
auch nur ganz langsam zu fahren, aber es ging fast besser als das reine
Gassi gehen.
Sunny schien daran Spaß zu haben und blieb nicht einmal stehen um zu
schnüffeln oder um zu markieren und selbst die sonst so überzogen
vorsichtigen Blicke von Sunny nach Recht, Links oder nach Hinten (wo ja
was Böses lauern könnte) blieben aus.
Ich war begeistert und Sunny danach geschafft.
Die Nacht schlief Sunny zum erstmal nicht auf der Couch, sonder links
von meiner Bettseite auf einem kleinen Teppich und da lag er auch am
nächsten Morgen noch.
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Heute hatten wir eine Einladung zum Grillen.
Nicht irgendwo, sondern bei meiner ganz lieben Freundin, die mich damals
auf den Verein Hunde in Not Hanau e.V. aufmerksam gemacht hat.
Sie wohnt und arbeitet auf einem Schrottplatz und hat selbst zwei große
Hunde.
Weder Sie noch wir wussten, ob die drei Hunde sich verstehen würden.
Da das Gelände komplett eingezäunt ist, können die Hunde jedenfalls
nicht weglaufen.
Wir fuhren mit unserem Auto auf das Gelände, machten das große Rolltor
hinter uns zu und begrüßten erstmal die beiden Hunde auf dem Gelände.
Sunny war in dieser Zeit noch im Heck von unserem Auto und beobachtete
was sich da so tut.
Es dauerte auch nur einen kurzen Moment, bis die beiden Hunde Sunny
entdeckten (oder erschnüffelten) und schon stürmten sie auf das Auto zu.
Die paar Kratzer, die der Lack von meinem Auto dabei abbekam, lassen
sich bestimmt wieder rauspolieren – hoffe ich – jedenfalls mussten wir
schnell was unternehmen, bevor es größere Schäden gab.
Karen hatte uns den Tipp gegeben, Mut und Vertrauen zu unseren Hunden zu
haben.
Sie würden das schon selbst regeln.
Mit klopfendem Herzen und dem Wunsch, dass alles gut geht, öffnete ich
also die Heckklappe und entfernte mich schnell ein paar Meter vom Auto.
Zum besseren Verständnis muss ich hier mal die beiden Hunde von meiner
Freundin beschreiben.
“Fin“ ist ein schwarzer Rüde von ca. 65 – 75 Kg (es können aber auch
gefühlte 90 Kg sein) und mind. 70 cm Schulterhöhe, hat Dogge - Labrador
in der Ahnentafel stehen und ist verspielt und verschmußt wie Welpe,
obwohl er schon 5 oder 6 Jahre alt ist.
Er liebt Kinder, ist Katzenlieb und hat ein ganz, ganz tollen Charakter
– ich liebe diesen Hund.
“Luna“ könnte Sunny’s Schwester sein.
Eine bildhübsche Labrador Hündin, die auch aus dem Ausland stammte und
hier ein neues Zuhause gefunden hat.
Auch sie liebt Kinder und Katzen, hat ein offenes Wesen und möchte
ständig gekrabbelt werden.
Nachdem ich die Heckklappe geöffnet hatte, stürmten beide ans Auto auf
Sunny zu, Fin sofort mit beiden Vorderpfoten im Auto und Luna mit einem
Satz gleich drin.
Sunny saß einfach da und ließ erstmal jede Beschnupperung über sich
ergehen und sprang dann ohne ein Anzeichen von Angst oder
Unterwürfigkeit raus auf den Hof.
Innerhalb von nur einer Minute hatten die drei Freundschaft geschlossen
und tollten über den Schrottplatz.
Luna wich erstmal nicht mehr von Sunny’s Seite und Fin schaute hin und
wieder, was die beiden so trieben.
Wir waren alle völlig überrascht, wie problemlos die drei miteinander
umgingen und konnten uns langsam wieder entspannen.
Karen hatte wieder einmal recht – Hunde sind in solchen Situationen viel
unkomplizierter als wir Menschen.
Nicht das man nicht aufpassen und bei Gefahr eingreifen muss, aber viel
zu oft pflanzen wir den Tieren Ängste ein, die ohne uns erst gar nicht
entstehen würden.
Später am Abend saßen wir auf der überdachten Terrasse, als ein schweres
Gewitter aufzog.
Als es heftig anfing zu regnen, wollten wir den Tisch ein wenig ins
trockene schieben.
Keiner von uns dachte daran, das unser “schreckhafter“ Sunny unter dem
Tisch lag und döste.
Ein lauter Donnerschlag und das gleichzeitige Verschieben des massiven
Holztisches, veranlasste Sunny wie von der Tarantel gestochen
aufzuspringen, von der Terrasse in den Garten zu flüchten und sich unter
einem großen Busch in Sicherheit zu bringen.
Ich schnappte mir schnell die Rollleine und suchte unseren Hund und das
im strömenden Regen.
Als ich ihn zusammengekauert unter dem Busch fand, sprach ich kurz auf
ihn ein und nahm ihn schnell an die Leine. Ich war da schon klitsch nass
und wollte schnell wieder zurück ins Trockene.
Dabei übersah ich, dass Luna mitten im Regen auf der Treppe stand und
genüsslich ihren kurz vorher von mir übergebenen Hühneschlegel mümmelte.
Ich zog Sunny schnell auf die Treppe Richtung Terrasse und im Nu waren
die beiden ein sich bellendes und beißendes Knäul.
Mist! Mein Fehler.
Vor lauter Schnell, Schnell, war mir gar nicht der Gedanke gekommen,
dass Luna das Ganze falsch interpretieren könnte und ihren heißgeliebten
Hühnerschlegel verteidigen könnte.
Sunny an der Rollleine war so schon von dem Tischerücken und dem
ständigen Donnern des Gewitters ein Nervenbündel, das er statt einfach
zu kuschen, sich versuchte seiner Haut zu wehren und machte bei der
Rauferei kräftig mit.
Und meine Freundin konnte gerade noch ihren Fin festhalten, bevor der
bei der Keilerei auch noch mitmacht.
Das Ganze dauerte nur ein paar Sekunden, kam mir aber wie mehrere
Minuten vor.
So schnell wie es angefangen hatte, war es dann aber auch wieder vorbei.
Luna schnappte sich Ihren Hühnerschlegel und Sunny kroch schnell zu
meinen Füssen unter den Tisch.
Erst so nach und nach konnten wir Bilanz aus der Situation ziehen.
Luna kam gleich wieder zu Sunny und schnüffelte an ihm, wie um zu sagen,
Na du – alles wieder klar?
Aber Sunny rührte sich erstmal keinen Zentimeter mehr.
Ich stellte dann fest, das Sunny ein paar kleine Wunden davon getragen
hatte; einen kleinen Cut an der Stirn und einen Wunde am Ohr.
Nichts tragisches, aber es blutete.
Schlimmer war, als ich feststellte, das Sunny sich (wahrscheinlich beim
runterspringen von der Terasse) an einem Gitter im Boden, eine Kralle
ausgerissen hat.
Das tat ihm wirklich weh und mir auch, allein vom Anblick.
Zuhause desinfizierten wir die Wunden, verbanden wir ihm die Pfote mit
Wundsalbe und Binde und zogen ihm einen alten Socken über, den wir mit
Kreppband fixierten.
Und wieder ließ Sunny alles tapfer über sich ergehen. Auch beim laufen
ließ er kaum erkennen, das er da einen doch ziemliche Verletzung hat.
Was eine Aufregung – und ich war Schuld.
Ich muss mir dringend wieder angewöhnen mehr voraus zu denken.
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Die Couch ist inzwischen so gut wie kein Problem mehr.
Er versucht nur noch ab und zu, und nur wenn wir selbst darauf liegen,
ob er auf die Couch darf, wobei ich glaube, dass es dabei nur darum
geht, Aufmerksamkeit zu bekommen.
So richtig ernsthaft sind seine Versuche nicht mehr, sondern er legt
einfach eine Pfote auf die Couch und weiß, das er dafür gekrabbelt wird.
Die Kommandos “NEIN“ und “AB“ nimmt er dabei gelassen hin.
Meist legt er sich dann schnell vor die Couch und lässt sich in den
Schlaf kraulen.
Oder aber er fordert uns dann zu spielen auf – was ja auch sein muss.
Dann balgen wir uns ein bisschen auf dem Boden bis er in meinem Schoß,
auf dem Rücken liegend,zur Ruhe kommt und ich ihn genüsslich am Bach
krabbeln darf.
Das sind die Momente, die ich in meiner hundelosen Zeit vermisst hatte.
Tag für Tag spüre wie wir körperlich und seelisch wachsen, wie wir uns
verändern.
Ein gutes Beispiel dafür ist mein Schlafverhalten.
Jahrelang habe ich vor 2:00 Uhr Nachts kein Auge zu gemacht.
Ich brauchte nicht viel Schlaf und arbeite oft noch nachts zwischen 0:00
und 2:00 Uhr an irgendwelchen Projekten.
Jetzt komme ich 4 – 5 Mal täglich an die Frische Luft, laufe bestimmt 8
– 10 Kilometer am Tag beim Gassi gehen und spätestens um 0:00 Uhr fallen
mir die Augen zu.
Wenn er mir jetzt noch das Rauchen abgewöhnt, schlage ich meiner
Krankenkasse vor, dass sie das Hundefutter übernehmen.
Zum Schlafen hat sich Sunny jetzt definitiv den Platz links von unserem
Bett (meine Seite) ausgesucht.
Obwohl er die Couch allein für sich hätte, nutzt er diese Freizügigkeit
nicht mehr.
Er will bei uns sein.
Wenn ich spät abends doch noch am PC sitze und was arbeite, pendelt er
ständig zwischen dem Schlafzimmer und meinem Arbeitszimmer hin und her,
und legt sich erst wirklich schlafen, wenn auch ich zu Bett geh.
So stark ist die Bindung zwischen uns schon.
Ich bin geneigt, Karen mitzuteilen, dass sie einen Pflegehund weniger
hat….
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Die Kralle verheilt eigentlich ganz gut.
Die letzten zwei Tage wechseln wir täglich den Verband und salben die
Wunde.
Zum Gassi gehen bekommt er einen Gefrierbeutel übergestülpt und mit
einem Gummiband festgemacht, damit der Verband bei dem regnerischen
Wetter nicht durchnässt wird.
Erstaunlicherweise stört es ihn zwar ein weinig beim laufen, aber er
lässt den Beutel wo er ist und erträgt das Prozedere mit dem Beutel
mehrmals täglich.
Bei einem ähnlichen Fall, bei meinen zwei vorherigen Hunden, war das
nicht so problemlos und meine Hündin hatte diese beute immer in
kürzester Zeit wieder von der Pfote.
Sunny ist in der Beziehung ein wirklicher Sonnenschein.
Trotzdem fuhr ich heute mal zum Tierarzt um die Pfote begutachten zu
lassen.
Jetzt zeigte es sich, wie gut es war, das wir schon zweimal da waren.
Beim ersten Mal wurde ja nichts gemacht, das ihm in schlechter
Erinnerung geblieben ist und beim zweiten Mal wurde er ja narkotisiert,
so dass ich glaube, er weiß davon gar nichts mehr.
Völlig entspannt und gelassen kam er mit in die Praxis und lies sich die
Pfote untersuchen.
Diesmal tat es sicher hier und da mal kurz weh, da mit einem Stäbchen
die Wunde gesäubert wurde und um zu sehen ob es eine Entzündung gibt,
wurde die Pfote auch mehrmals gedrückt, was sicher unangenehm war.
Alles war in Ordnung und die Kralle wächst sicher ohne weitere Probleme
wieder nach.
Sunny bekam noch ein Antibiotikum gespritzt, was er nicht mal merkte und
wir durften wieder gehen.
Noch zwei bis drei Tage, dann kann der Verband auch wieder ab.
Nach oben
Aber hier zeigt sich aber auch, dass das Halten eines Hundes wohl
überlegt sein sollte.
Nicht das ich mir das wohl überlegt habe, es gibt Entscheidungen, die
werden aus dem Bauch oder dem Herz oder sonstigen Körperteilen, die sehr
weit weg vom Gehirn sind, getroffen.
Aber in dieser kurzen Zeit, waren wir nun schon drei Mal beim Tierarzt,
was einem normalen Hundebesitzer, der nicht zufälligerweise einen
Tierarzt zum Freund hat, mindestens 300,00 Euro gekostet hätte.
Eine Bekannte von mir hat einen jungen Hund aus dem Tierheim, der nach 6
Wochen anfing zu humpeln.
Nach mehreren Arztbesuchen und ca. 1.400 Euro für Röntgen, MRT, Spritzen
etc. steht nun fest, das der Hund an der Hüfte operiert werden muss, was
nochmal ca. 1200 Euro kosten wird.
Wer einen Hund hat, muss auch Geld für die Pflege aufbringen und die
meisten Hundebesitzer, die ich kenne, tun das auch ohne einen Moment an
die Kosten zu verschwenden.
Aber ich kenne auch einen anderen Fall und das Tier wurde aus
Kostengründen eingeschläfert.
Es nützt niemanden, wenn er nach einem Tierarztbesuch, sich und seinem
Hund nichts mehr zu essen kaufen kann, aber das sollte man, bevor man
sich einen Hund anschafft auch mal mit überlegen.
Immer wieder werden Hunde im Tierheim abgegeben, weil die Halter sie
sich nicht mehr leisten können.
Klar, es kann immer mal was passieren wie Arbeitslosigkeit, Trennung
etc. die einem aus der Bahn werfen und dann ist das Tierheim der bessere
Ort als irgendwo ein Rastplatz, an dem dann die Tiere ausgesetzt werden.
Aber wenn von Anfang an finanzielle Schwierigkeiten bestehen, sollte man
sich und dem Hund den Gefallen tun und auf eine Partnerschaft
verzichten.
Es gibt kaum etwas Traurigeres als die Hundeaugen, die ihrem
liebgewonnenen Herrchen voller Unverständnis aus der Zwingerbox im
Tierheim hinterher schauen.
Einen Hund zu halten ist Luxus!
Er kostet Geld, Zeit und braucht viel Liebe und Vertrauen.
Und nichts davon solle er missen müssen.
Nach oben
Irgendwie ist der Mai ein Monat voller Partys und Feiern.
Heute hatte mein bester Freund Geburtstag und wir waren natürlich
eingeladen.
Mit Freunden und Familie kommen da schon ein paar Leute zusammen.
Nach kurzem überlegen, dachten wir, ist es ein gutes Training für Sunny
mal unter Leute zu kommen.
Da muss er durch.
Dort angekommen lief ich mit Sunny erstmal an der Leine zu jedem
Anwesenden, begrüßte jeden und ließ jeden der wollte Sunny auch mal
streicheln. Sunny’s Aufregung ließ dann auch schnell nach und nach ca.
10 Minuten ließ ich ihn dann frei, so dass er im Haus und im Garten frei
laufen konnte.
Schnell entschied sich Sunny für den Garten, da er dort genügend
Freiraum hatte, dem größten Tumult aus dem Weg zu gehen.
Leider war der Garten auf einer Seite des Hauses nach vorne zur Strasse
offen, so das ich mit der Hilfe von meinem Freund aus einer Gartenbank,
zwei Leitern, zwei Gartenstühle und mehreren Sitzpolster ein Hindernis
aufbauten, das, wie wir hofften, Sunny daran hindern sollte, das
Grundstück ungefragt zu verlassen.
Dieses Hindernis, war natürlich Sunny’s interessantestes Objekt.
Das wurde lange Zeit von allen Seiten begutachtet, analysiert und
beschnuppert.
Irgendwann verlor er aber sein Interesse daran und legte sich auf die
Wiese.
Mein Freund, der eigentlich nicht viel mit Hunden zu tun hat, meinte auf
einmal, er müsste mal mit dem Hund spielen.
So sprach er ihn mit lauter Stimmer an (“HI MEIN SÜSSER – ALLEHOPP),
riss dabei die Arme in die Höhe und rannte auf Sunny zu.
Als ich das sah, machte ich in Gedanken schon einen Termin beim nächsten
Hundepsychologen und war mir sicher, dass ich den Hund die nächsten Tage
erst seelisch wieder aufbauen musste.
Mein Gott – da erzählt man die ganze Zeit, was für ein sensibler,
scheuer und verängstigter Hund das ist und mein Freund stellt sich vor
Sunny und spielt mit einer meisterhaften schauspielerischen Leistung,
Conan der Barbar.
Ich war völlig entsetzt, sprachlos und perplex, unfähig auch nur
ansatzweise zu reagieren.
Gerade als ich mich wieder gefangen hatte und die Reste von meinem
völlig verstörten Hund einzusammeln, sprang Sunny auf und hüpfte
schwanzwedelnd und mit zum Grinsen zurückgezogenen Leftzen um meinen
Freund herum.
Die beiden sprangen die nächsten paar Minuten, wie von unsichtbaren
Gummibänder gehalten, durch den Garten.
Mein Freund mit immer wieder hocherhobenen Armen und Sunny mal mit
hocherhobenem Hinterteil und die Vorderpfoten am Boden und im nächsten
Moment mit allen vier Pfoten gleichzeitig abhebend, springend um ihn
herum.
Ich war erneut sprachlos und ließ mich in meinen Stuhl zurück fallen.
War das mein Hund?
Wo war die Angst? Das Schreckhafte? Der ach so scheue Hund?
Sunny hatte einen Riesen Spaß und versuchte nun auch hin und wieder
selbst ein paar Scheinattacken.
Aus meinem anfänglichen Entsetzten wurde gelassene Freude.
Fast unbemerkt setzte sich meine Frau zu mir und wir schauen uns stumm
das Komische Treiben der beiden an.
Ich weiß nicht was es war, aber irgendein Knoten schien in diesem Moment
bei Sunny geplatzt zu sein.
Seit diesem Tag, seit diesem Erlebnis, fällt es Sunny viel leichter bei
fremden Menschen oder Gruppen Vertrauen zu fassen und er ist deutlich
schneller in der Lage auf andere zuzugehen und sich streicheln zu
lassen.
Ich verbuche das mal unter Konfrontationstherapie, weiß aber ganz genau,
wenn das geplant worden wäre, wäre es bestimmt in einer Katastrophe
geendet.
Als nach 20 Minuten Sunny erschöpft auf dem Rasen lag, sitze ich bei
ihm, streichle seinen Kopf und denke, eigentlich habe ich keine Ahnung
was in diesem Tier seinem Kopf vorgeht.
Immer wieder überrascht er mich positiv und zeigt mir, dass er wieder
Spaß am Leben hat.
Und er zeigt mir auch, dass bei aller Hilfe die ich ihm gebe, es
Situationen gibt, in der er meine Hilfe nicht braucht. Im Gegenteil, es
gibt Situationen, in denen der Einfluss von Außen und von anderen viel
wichtiger ist, als meine schützende Hand.
Nach oben
Der Geburtstag war richtig schön.
Sunny spielte hin und wieder auch mit den Kinder fangen und jeder fand,
was es doch für ein toller Wesenszug ist, das Sunny nicht am Tisch
bettelt.
Wir unterhielten uns angeregt und als ich so da saß und völlig
ausgeglichen einem Gespräch zuhörte, fragte auf einmal meine Frau: Wo
ist den der Sunny?
Ich schaute vertrauensvoll durch den Garten, da ich ja wusste wo seine
Lieblingsstellen sind.
Aber ich sah ihn nicht. Also stand ich auf und schaute drinnen im
Wohnzimmer.
Kein Hund weit und breit.
Als ich aus dem Wohnzimmer raus lief, schaute ich durch Zufall aus dem
Fenster und sah unseren Hund vor dem Haus auf der gegenüberliegenden
Straßenseite.
Mein Adrenalinspiegel schoss von 0 auf 100 und ich schnappte mir die
Rollleine und rannte zur Vordertür raus.
Sunny hatte sich scheinbar unser selbstgebautes Hindernis sehr gut
angeschaut und festgestellt, das er zwar nicht durch das Hindernis
kommt, aber von der höher gelegenen Terrasse aus, mit einem beherzten
Sprung, über das Hindernis kommt.
Und so ist er, nachdem er mich lange Zeit in Sicherheit gewogen hat, in
einem unbeobachteten Moment mal schnell auf Erkundungstour gegangen.
Und ich bin mir sicher, dass er den Plan dazu schon Stunden vorher
geschmiedet hatte.
Vor der Tür angekommen strahlt mich mein Süßer von der anderen
Straßenseite aus an, dreht sich um und trottet Richtung der angrenzenden
Äcker.
Ich hinterher. Sobald ich schneller werde, wird auch er schneller, so
dass sich unser Abstand konstant bei 10 bis 12 Meter hält.
Natürlich ruf ich mit Engelszungen “Sunny, HIER“, “Sunny, bei FUSS“,
“SUUUUUNNNNNY“, aber er lächelt mir nur hin und wieder zu und trottet
weiter.
Im Feld angekommen vergrößert sich unser Abstand, weil er richtig Spaß
hat, mal ein paar Meter im gestreckten Galopp hinter sich zu bringen.
Ich verfall ins Joggen, was nicht meine Lieblingssportart ist und
versuche den Vorsprung wieder zu verkürzen. Endlich bleibt er stehen um
zu pinkeln, das wittere ich meine Chance.
Aber kurz bevor ich bei ihm bin, ist er auch schon wieder unterwegs.
Langsam werde ich ein bisschen kurzatmig und versuche meinem letzten
Trumpf auszuspielen.
Ich ruf mehrmals hintereinander “SUNNY, WARTEN“ was ich sonst nur beim
überqueren von Straßen zu ihm sage, und sieh da der Hund wird langsamer
und bleibt dann ganz stehen. Einfach so - weil wir das ja immer so
machen. Unglaublich.
Ich komme ein wenig außer Atem bei ihm an und lobe ihn, so gut ich das
kmit meiner Schnappatmung kann.
Mein Hund hört. Vielleicht nicht auf's Wort und manchmal zeitverzögert,
aber er wartet wenn ich "WARTEN" sage.
Ich bin im Glück und froh, dass ihm nichts passiert ist.
Der Heimweg gestaltet sich noch ein wenig schwierig, da er es immer noch
nicht leiden kann, am Halsband geführt zu werden, aber ich setz mich so
gut es geht durch.
Man, man, man. Und wieder was gelernt.
Vertrauen ist gut und wichtig – aber Kontrolle ist (noch) unerlässlich.
Nach oben
Normalerweise geh ich mittags, so um 14:00 Uhr, mit Sunny am Main
Gassi.
Heute war ein so schöner Tag und ich hatte Zeit, so dass ich schon um
12:30 Uhr mit Sunny los zog.
Kaum am Main angekommen stürmten auf einmal 16 Hunde, der
verschiedensten Rassen auf uns zu.
Mehrer Windhunde, zwei Dackel, zwei Irische Wolfhunde, ein Schäferhund
und diverse Mischungen.
Dazu gehörten 10 Hundehalter (eigentlich 1 Hundehalter und 9
Hundehalterinnen), die scheinbar jeden Mittag um diese Zeit sich dort
trafen, um gemeinsam Gassi zu gehen.
Sunny (immer noch an der Leine) und ich standen also wie Erstarrt in
dieser Traube von Hunden, von denen natürlich jeder einzelne Sunny und
mich beschnüffeln wollten.
Ich habe keine Angst vor Hunden und kann auch mit mehreren Hunden
umgehen, aber in einem Pulk von 17 Hunden wird da einem doch schon etwas
mulmig.
Irgendeiner von den Süßen Vierbeiner könnte ja aus Versehen irgendein
Augenbraunzucken eines Artgenossen falsch verstehen und meinen, eine
Diskussion über die Rangordnung lostreten zu wollen.
Dass vier dieser Hunde einen Maulkorb trugen, beruhigte mich jetzt nicht
wirklich.
Es dauerte gefühlte 5 Minuten (wahrscheinlich waren es nur zwei), bis
sich der Pulk ein wenig auflöste und die ganze Meute langsam weiter zog.
Mittlerweile waren auch die Besitzer der Hunde bei mir eingetroffen und
es ging auch gleich mit einem Gruppen-Speeddating los.
Ich musste in der Kurzversion erklären, warum, im Gegensatz zu allen
anderen Hunden, Sunny an der Leine war, wo er herkam, welches grausame
Schicksal er hinter sich hatte und warum er eine Tüte um den Fuß hatte.
(Die Wunde war noch nicht ganz verheilt.)
Ich bekam dafür die Lebensgeschichten mehrere andere Hunde inklusive
deren Halterinnen erzählt und einige gute Tipps, bei Verwundungen,
Essstörungen und wie ich mir am Besten das Rauchen abgewöhnen kann.
Klasse. Diese Uhrzeit werde ich mir merken.
In Zukunft gehe ich nicht mehr vor 14:00 Uhr am den Main und auch dann
schaue ich erst mal verstohlen um die Ecke.
Nach oben
Die Pflichten eines Hundehalters sind ja eigentlich schnell
aufgezählt.
Füttern, Gassi gehen und regelmäßig knuddeln.
Viel mehr bedarf es eigentlich nicht, um einen Hund glücklich zu machen.
Jedenfalls aus der Sicht eines Hundes.
Aus der Sicht von Sunny’s Frauchen gehört aber auch die regelmäßige, um
nicht zu sagen tägliche (manchmal auch mehrmals tägliche) Fellpflege.
Das deutlichste Zeichen, das wir wieder einen Hund haben, ist, das
unsere Wohnung in kürzester Zeit statt mit einem Fliesenboden (der sehr
praktisch ist) ein Flokati im Haus ausgelegt ist.
Gerade jetzt zum Fellwechsel, geht man einmal mit der Hand über den Hund
und könnte mit den ausgefallenen Haaren ein paar nette Babysocken
stricken und Hundehaarallergiker könnten bei uns eine prima
Konfrontations-Therapie durchführen.
Das Bürsten des Hundes sollte man unbedingt im Freien durchführen.
Es ist kaum zu glauben, wie viele Haare so ein Hund verlieren kann.
Eigentlich müsste er völlig nackt dastehen, wenn man sieht was nach dem
Bürsten immer so ausfällt.
Das Wetter tut dazu sein übriges.
Vor zwei Tagen 28 Grad, Vorgestern 12 Grad und Regen, Gestern sommerlich
warm bei 27 Grad – heute dafür wieder 14 Grad und Regen.
Da dauert es nicht lange und ich fange auch mit dem Fellwechsel an.
Die Erfahrung zeigt aber auch, dass ein leicht feuchtes Fell besser zu
kämmen geht und weniger Haare rumfliegen.
Dafür bleibt es nicht aus, dass ein feuchtes bis nasses Fell einfach
nach nassem Hund stinkt.
Da dem Hund egal ist, was draußen für ein Wetter ist, muss man sich halt
überwinden und ausgestattet mit Anorak und wasserdichten Schuhen, nach
draußen begeben.
Regenschirme kann Sunny nicht leiden und sind ihm unheimlich – also wird
auf dieses Hilfsmittel verzichtet.
Die Gassi-gehen-Runden fallen bei Regen aber oftmals kürzer als normal
aus.
Da der Hund es liebt, durchs hohe Gras zu streifen, ist es egal ob es
nur ein bisschen nieselt oder aus Eimer schüttet.
Der Hund ist danach so oder so klatsch nass.
So war es doch gut, die alten Handtücher nicht in die Altkleidersammlung
zu geben und sie nun immer griffbereit an der Wohnungstür zu deponieren.
Das Trocken des Fells und das Säubern der Pfoten ist inzwischen schon zu
einem Ritual geworden.
Sunny findet das abrubbeln klasse und obwohl er recht kitzelig an den
Pfoten ist, geniest er inzwischen auch die Fußmassage.
Trotz aller Pflege ist unser “einmal die Woche Großputz“ inzwischen auf
fast täglich staubsaugen, zweimal die Woche nass durchwischen und
tägliches Entstauben von allen Oberflächen angewachsen.
Zu meiner Schande muss ich sagen, dass der Großteil dieser Arbeiten von
meiner Frau erledigt werden und Sunny und ich uns auf die Arbeiten
konzentrieren, die den Schmutz verursachen.
Aber ich gelobe Besserung
– und Sunny tut sicherlich auch alles was in seiner Macht steht…
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Ein wunderschöner Sonntag.
28 Grad im Schatten und keine einzige Wolke am Himmel.
Ich hatte mich mit meinem Patenkind zum Schwimmen verabredet, so dass
Sunny bei meiner Frau blieb.
Um das Wetter auszunutzen, ging sie mit ihm spazieren.
Unsere normale “Lange Gassi-Geh-Runde“ ist so ca. 3,5 bis 4 Km lang und
wir variieren sie, indem wir sie mal rechtsrum und mal linksrum laufen.
Meine Frau dachte sich, man könnte ja auch noch ein bisschen weiter
laufen und bog in den Wald ab.
Wir haben in Hanau einen wunderschönen Wildpark, namens Fasanerie.
Da darf man zwar mit Hunden nicht rein, aber der Weg darum ist auch
schön.
Der Weg einmal um die Fasanerie ist exakt 4,2 km lang. Das weiß ich,
weil mein Freund auf seine alten Tage zum Triathlon gekommen ist und
inzwischen fast alle Wegstrecken vermessen hat.
Meine Frau ging also den Weg bis zur Fasanerie (ca. 2,5 Km) und dann um
die Fasanerie herum.
Sunny trabte artig nebenher und war nur mäßig am hecheln. Hin und wieder
suchte er dann doch mal einen kleinen Bach auf um zu schlabbern, aber
als sie um die Fasanerie herum waren, zeigte er noch kaum
Ermüdungserscheinungen.
Also beschloss meine Frau noch ein bisschen weiter zu laufen und bog in
die angrenzenden Wiesen und Felder ab.
Als sie nach ca. zwei Stunden und ca. 10 -12 km mit Sunny wieder Zuhause
ankam, ging Sunny ohne eines weiteren Blickes zu mir ins Arbeitszimmer,
legte sich hin und schlief die nächste halbe Stunde wie komatös.
Und die darauffolgenden zwei Stunden war er mit ausgiebigem Hecheln
beschäftigt.
Ich war inzwischen auch nach Hause gekommen und fand einen völlig
erschöpften, aber glücklichen Hund.
Heute ist er sicher mit seiner Kondition an seine Grenzen gegangen, aber
das Tranig scheint ihm gut zu tun.
Der Hund braucht Auslauf, aber an seiner Kondition müssen er und wir
noch arbeiten.
Bei Google hab ich mal aus Neugier das Thema Ausdauer bei Hunden
nachgeschlagen und der eindeutige Trend geht dahin - Hunde brauchen viel
Auslauf.
Klar, war jetzt nicht so überraschend.
Aber man soll es auch nicht übertreiben.
Gerade ungewöhnte Hunde muss man sehr langsam an größere Strecken
herranführen, das sie sonst an Gelenk- und Sehenentzündungen erkranken
können.
Und ganz wichtig: auch Hunde können Muskelkater bekommen!
Also für die Zukunft: immer nur ein bisschen mehr.
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Heute wurde ich mutig, um nicht zu sagen, fast übermütig.
Beim Gassi-Gehen am Main ergab sich die Situation, das niemand außer
Sunny und mir die Uferpromenade zum spazieren gehen nutzte.
Direkt am Main zieht sich eine ca. 30 Meter breite Grünfläche über einen
Kilometer lang, die auf der anderen Seite von hohen Flutmauern der
angrenzenden und höher gelegenen Anwohner begrenzt wird.
Nur an drei Stellen gibt es kleine Zuwege zwischen den Häuser, so das
ich mich traute, Sunny von der Leine zu lassen.
Aber nicht mit Ansage, sonder klamm heimlich, so das Sunny es gar nicht
mitbekam.
Er merkte es aber recht schnell und war ruck zuck 10 bis 20 Meter
voraus, aber immer auf der Seite, die durch das Wasser begrenzt wurde.
Ich ließ ihm den Freiraum und versuchte hin und wieder ihn zu mir zu
rufen.
Beim Vierten Anlauf klappte es dann auch und er stand wedelnd vor mir.
Die nächsten 6 bis 7-mal klappe es dafür gar nicht mehr, weil alles
Andere viel interessanter war.
Da er aber nicht weit weg lief und ich ihn immer wieder einholen konnte
(zum schnüffeln muss man halt stehen bleiben) ließ ich ihm die Freiheit
und nahm ihn erst auf dem Rückweg, kurz bevor wir den Main wieder
verlassen an die Lein.
Das war viel entspannter als ständig mir der Leine, bei der man schauen
muss, dass sie nicht zwischen, vor oder hinter die Beine gerät…
Nicht das ich glaube, in einer schwierigen Situation die Kontrolle über
Sunny zu haben, davon sind wir immer noch weit weg, aber für den Anfang
war das bombastisch gut.
Im Internet lese ich immer wieder vom Training mit einer Schleppleine.
Also suchte ich mir die entsprechenden Berichte mal raus, nur um zu
verstehen, was das besondere an diesen Schleppleinen ist.
Der Sinn dieser Leinen ist, das der Hund sich scheinbar frei bewegen
kann, der Halter aber, bei Bedarf, einfach auf die Leine tritt und den
Hund damit stoppen kann.
Oder das man den Hund rufen kann und dann, nach und nach, die
Schleppleine einholt.
Ich arbeite mit einer Rollleine und finde diese viel angenehmer.
Zum einen verheddert sich diese Leine so gut wie nicht, da ja (wenn man
will) ständig ein leichter Zug die Leine gespannt hält.
Bei einer Schleppleine passiert es dafür Ruck Zuck, das der Hund um oder
durch ein Gebüsch läuft und schon muss man sehen, wie man das Knäul
wieder entwirrt.
Zum Zweiten habe ich mit der Rollleine einen viel schnelleren und
sicheren Einfluss auf meinen Hund.
Wenn der Hund einmal losspringt, hilft auch ein beherzter Tritt auf die
Schleppleine meist nichts mehr, und wer dann mit bloßen Fingern versucht
in die Leine zu greifen, kann die nächsten Tage Brandsalbe auf seine
Hand schmieren.
Wahrscheinlich gibt es noch ein paar positive Aspekte für die
Schleppleine, die sich mir aber noch nicht erschlossen haben.
Wir bleiben bei der 8 Meter Rollleine und sind damit sehr zufrieden.
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Wie ich schon am Anfang erwähnte, hatte ich vor vielen Jahren zwei
Howawarth’s.
Zuerst bekam ich Naika.
Sie war für mich die Belohnung dafür, dass ich zwei Wochen bei dem
Züchter das Haus hütete.
Der Züchter lebte mitten im Wald, in einem ehemaligen Forsthaus und
hielt 7 Howawarth’s zur Züchtung.
Ein bis zwei Hündinnen hatten meistens einen Wurf, so dass da immer viel
los war.
Das Rudel selbst lebte frei auf dem großen Gelände und keiner davon
kannte Kommandos wie SITZ oder PLATZ.
Es war eine beeindruckende Erfahrung. Man setzte sich raus ins Freie und
beobachtete die Tiere wie sie sich als natürliches Rudel benahmen.
Es gab klare Hierarchien, Machtkämpfe, Eifersüchteleien, aber auch
Liebkosungen untereinander, tolle Spielszenen und immer kam einer zum
schmusen, betteln oder spielen.
Aber es war auch eine große Herausforderung und Aufgabe.
Durch meine Arbeit bedingt, kam ich immer erst nachts gegen 02:00 Uhr zu
dem Grundstück.
Da das Gelände im Wald lag, fehlte es natürlich an einer
Straßenbeleuchtung und einem asphaltierten Weg , und wenn man dann im
Dunkeln an das Hoftor kam, standen da dann auch alle 7 Hunde mit ihrem
Kleinen und begrüßten einen auf Ihrer Weise.
Ein Fremder hätte sich im Traum da nicht hinein begeben und ich selbst
musste auch immer meinen ganzen Mut zusammen nehmen.
Man durfte keinen Augenblick einen Zweifel aufkommen lassen, dass man
selbst das Alphatier ist, alles im Griff hat und bei Bedarf auch mal
einen zusammenstauchen kann (und muss).
Nicht das irgendwas passiert wäre, aber im Rudel gelten andere Gesetzte
und die natürlichen Instinkte werden hier noch voll ausgelebt.
Als Alphatier war ich allerdings darauf degradiert regelmäßig für eine
ausreichende und gerechte Futterverteilung zu sorgen, nach Wunden zu
schauen (die hier und da nicht ausblieben, wenn auch nichts
dramatisches), Zecken zu entfernen (was in diesem Sommer eine echte
Plage war) und natürlich auch die Welpen zu hegen und pflegen.
Schon wären dieser Zeit hatte es mir ein Welpen angetan.
Da der Züchter seine Würfe nach dem Alphabet katalogisierte, war
momentan der Buchstabe N dran.
Nach eine Woche hatte diese kleine freche Göre den Namen Naika von mir
bekommen.
Sie war ein wenig kleiner als die anderen und hatte Stehohren – ein
schlimmer Zuchtfehler und für mich ein deutliches Zeichen, das dieser
Hund was Besonderes war.
Als der Züchter wieder da war und ich mir meinen Welpen aussuchen
durfte, gab er mir als Bitte und Ratschlag mit, dem Hund eine zeitlang
5-Markstücke an die Ohren zu kleben, damit sie ihre „natürliche“ Form
bekommen würden.
NICHT IN DIESEM LEBEN – ich war stolzer Besitzer einer reinrassigen
Howawarth-Hündin MIT STEHOHREN.
Noch heute trauere ich meiner Naika hinterher.
Sie war nicht nur ein Teil meines Lebens, sonder auch eine Freundin, die
mir so viel zurückgab.
Sie hatte blindes Vertrauen zu mir, begleitete mich überall hin und
prägte mein Bild vom Zusammenleben mit einem Hund.
Es ist schwer, für mich und für Sunny, diesem Bild gerecht zu werden und
eigentlich sollte man keine Vergleiche anstellen – aber man (ich) macht
es insgeheim doch.
In der Wohnung (sicheres Terrain) gibt es einige Situationen, die mich
Schmunzeln lassen und an Naika erinnern.
Aber im freien Gelände, wo Naika aufmerksam, folgsam und völlig auf mich
bezogen war, steht Sunny gedankenverloren, nur mit sich selbst und
seiner Umwelt beschäftigt und denkt im Traum nicht daran, mir mal einen
Blick zuzuwerfen.
Ok, an der Leine geht’s es schon ganz gut und ein kurzer Ruck an der
Leine, mit dem entsprechenden Kommando, überzeugt auch Sunny (meistens)
mal bei Fuß zu laufen (was nach fast einem Monat schon eine tolle
Leistung ist – wie ich meine).
Das Kommando WARTEN (an Straßenecken und vor Überquerungen) klappt
inzwischen auch schon (meistens) ohne Leinenruck.
Aber einmal von der Leine, trottet er im Abstand von ca. 10 – 12 Meter
vor, hinter und neben mir her und es liegt eher an mir, als an Sunny,
das sich der Abstand dann nicht vergrößert.
Er lässt sich dann aber auch wieder problemlos an die Leine nehmen, wenn
ich ihn dann doch mal wieder eingeholt habe.
Das ist dann immer dann, wenn er mal wieder irgendwo ausgiebig
schnüffelt oder mal länger pinkelt.
Oder wenn ich ihn mit dem Kommando WARTEN zum stehen bleiben auffordere.
Zu 90% steht er dann wie eine Statue da und wartet geduldig und lächelnd
bis ich bei ihm bin.
Bei den anderen 10% verschließen sich seine Gehörgänge wie mit Oropax
zugetackert und ich könnte eher einen vorbei fliegenden Vogel zum warten
bewegen...
Auch mit einer Hilfsleine (eine dünne Paketschnur) mit der man nach dem
Ableinen noch Kontrolle über den Hund hat, der dann aber vermuten
sollte, er wäre leinenlos, hatte bisher keinen Erfolg gebracht.
Scheinbar ist Sunny dafür zu clever.
Also heißt es weiter üben und konsequent bleiben.
Ich werde weiter versuchen, Sunny emotional an mich zu binden (was bis
jetzt ja schon sehr gut geklappt hat) und hoffe das es irgendwann bei
ihm Klick macht und er meinem Bild vom Zusammenleben noch ein wenig
näher rückt.
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Um unser Haus herum ist ein großer Garten, so das Sunny (wie auch Luna –
unser Haushund aus dem zweiten Stock) sich frei bewegen kann.
Allerdings gibt es eine kleine Einschränkung: Das Gemüsebeet!
Unsere Vermieter, die im ersten Stock wohnen, haben auf einer Seite vom
Haus, einen tollen Gemüsegarten mit Tomaten, Salat, Kartoffeln,
Kürbisse, Zwiebeln, Spinat und und und, angelegt.
Auch wir profitieren im Sommer von diesen selbstgezogenen Früchten und
es ist natürlich völliges Sperrgebiet für die Hunde!
Nur wie macht man das einem Hund klar, der wenn er erstmal im Garten
ist, wie von der Tarantel gestochen, durch den Garten tobt.
Unser Rezept war und ist, ich spiele mit Sunny und meine Frau verteidigt
den Durchgang zum Gemüsebeet.
Das klappt aber auch nicht immer, weil Sunny besser als jeder
Running-Back beim Football, die Lücken zwischen meiner Frau und dem Beet
ausnutzen kann.
Dann heißt es schnell zu reagieren und ihn wieder heraus zu treiben.
Mittlerweile hat er es aber realisiert, das der Bereich nicht zum
spielen gehört und er verirrt sich nur noch selten in diese TABU-Zone.
Dafür liebt er es auf der Wiese vor unserem Haus herum zu tollen.
Inzwischen hat er auch Spaß daran gefunden, einem kleinen Ball den ich
werfe, hinterher zu springen und mit ihm mehrere Runden durch den
Vorgarten zu hechten, bis er ihm aus dem Mund fällt und er darauf
wartet, dass ich ihn erneut werfe.
Das Interesse an diesem Spielzeug hält zwar nur ein paar wenige Minuten
an, aber immerhin ist das ein Ansatz, auf dem wir weiter aufbauen
können.
Ihm gefällt es im Garten so gut, dass er oft von alleine auch nicht
wieder mit in die Wohnung kommt.
Erst wenn man ihn dann anleint, trottet er (und jetzt von allein) wieder
brav zurück ins Heim.
Wenn man ihn alleine draußen lässt, liegt er genüsslich auf dem Rasen
und scheint sich rund um wohl zu fühlen.
Leider fängt er langsam an, Leute die vorbei laufen anzubellen.
Diese Unart hat er von unserem Haushund Luna gelernt und ist schwer ihm
wieder auszureden.
Allerdings ist das abhängig von seiner Tageslaune.
Ich glaube das es einfacher und hilfreicher sein wird, unserem Haushund
Luna das Bellen abzugewöhnen, denn wenn sie nicht bellt, interessiert es
ihn auch nicht mehr.
Manchmal ist es ihm auch völlig schnuppe, wer oder was da vorbei kommt.
Und manchmal ist es auch mir schnuppe, wen er da anbellt……
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Mit unserer Katze geht Sunny an für sich völlig problemlos um.
Das heißt, er beachtet sie so gut wie gar nicht. Wenn sie irgendwo
sitzt, läuft er einfach an ihr vorbei, ohne sie zu beachten.
Sie dagegen findet diesen Zustand für völlig inakzeptabel.
Hier ein Fauchen, da mal mit der Tatze drohen und hin und wieder einen
Buckel machen, soll Sunny wohl zeigen, das er doch bitte ein wenig mehr
Respekt zeigen soll.
Aber das alles rührt Sunny in kleinster Weise.
Aber es gibt eine Situation, da ist er von ihr wirklich genervt.
Abends, wenn wir gemütlich im Wohnzimmer auf der Couch liegen (bzw.
Sunny davor) und die Katze reinkommt, dann benimmt sich unsere Katze wie
auf der Pirsch.
Sie schaut vorsichtig um die Ecke und kommt dann in MAGA-Zeitlupe ins
Zimmer.
Für einen Meter Wegstrecke braucht sie dann so ca. 2 Minuten.
Und diese Langsamkeit bringt Sunny auf die Palme.
Er schaut sich das Getue ein paar Minuten an und bringt dann mit einem
lauten Bellen und einem Satz in Richtung Katze klar zum Ausdruck, dass
ihn das nervt.
Würde sie einfach durchs Wohnzimmer laufen, würde gar nichts passieren
und Sunny könnte einfach weiter dösen.
Aber gerade dieses Schleichen scheint dann seine ganze Aufmerksamkeit zu
erfordern.
Sobald Sunny sich also mit einem Bellen beschwert, springt die Katze mit
einem Satz auf die rettende Couch und sucht sich dann einen Platz, der
es ihr erlaubt, Sunny weiter mit hypnotischen Blicken zu taxieren.
Für ihn ist die Sachen damit aber erstmal erledigt und er legt sich
wieder zum dösen hin.
Hin und wieder mutiert unsere Katze dann aber zur mutigsten Katze der
Welt und schleicht heimlich zum schlafenden Hund. Sie beugt sich dann zu
ihm hin und schnüffelt ausgiebig an ihm herum.
Jedenfalls so lange bis er es merkt.
In diesen Momenten reißt er die Augen auf, zuckt auf und bellt sie an.
Da wir das auch nicht immer mitbekommen, wenn sich unsere Katze so
anschleicht, erschrecken wir in diesen Momenten sicher mehr als die
Katze, die ja inzwischen weiß was auf sie zukommt.
Ich denke mir dann jedes Mal, was könnten die beide gute Freunde sein,
wenn sie nur die gleiche Sprache sprechen würden.
Heute hat Sunny dafür den Spieß mal umgedreht.
Die Katze lag völlig in Tiefschlaf auf der Couch, so das Sunny sich
langsam ihr annährend konnte.
Als er dann an ihr schnuffelte hob sie mit allen vier Pfoten (bzw. mit
Ihren 3 Pfoten) ab und sprang fauchend auf die Fensterbank.
So, jetzt wusste sie mal wie das ist…und Sunny stand da, wedelte mit dem
Schwanz und lächelte von einem Ohr zum anderen.
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Hin und wieder nutzen wir das tolle Angebot von Karen, das wir Sunny
mal für einen oder mehrere Tage bei Ihr parken können.
In der Regel ist Sunny 24 Stunden am Tag in meiner Nähe, aber es gibt
leider solche Situationen, wo Sunny nicht mit kann oder es besser für
ihn ist, nicht mit zu kommen.
Wenn das nur für ein paar wenige Stunden ist, ist das auch kein Problem.
Er legt sich dann einfach in seinen Hundekorb Zuhause hin und wartet bis
wir wieder da sind.
Kein Bellen, Jaulen oder Polster anfressen….
Aber wenn es doch mal abzusehen ist, das es länger dauert oder wir für
einen oder mehrere Tage weg müssen, dann bringen wir ihn zu Karen auf
den Hof.
Beim ersten Mal wussten wir ja noch nicht, wie Sunny damit umgehen wir.
Ob er uns das übel nimmt und völlig verschüchtert zurück kommt oder ob
es ihm gefällt.
Zu unserer Überraschung, war Sunny zwar froh uns wieder zu sehen, aber
er schien sich super wohl gefühlt zu haben.
Er wirkte danach so ausgeglichen, selbstzufrieden und entspannt, dass
man meinen könnte einen “völlig normalen“ Hund vor sich zu haben.
Bei Karen hat er natürlich die Möglichkeit im Rudel aufzugehen, mit
anderen zu spielen und muss sich auch mal die Spielattacken der anderen
Hunde gefallen lassen.
Trotz allen Befürchtungen zu Anfang, kann ich nur sagen, das diese Tage
unseren Sunny sozial festigen und er angstfrei und erholt wieder
abgeholt wird.
Gerade der Kontakt zu anderen Menschen und Hunden, zu einer Zeit, in der
ich oder meine Frau nicht dabei sind, scheinen diesen positiven Effekt
zu bewirken.
Nicht das er auf sich allein gestellt ist, aber er lernt, sich
unabhängig von seinem (Möchtegern-) Alphatier zu behaupten und zu
arrangieren.
Das klappt sicher nicht bei jedem Hund, aber jeder, der die Möglichkeit
hat, seinen Hund auch mal in vertrauensvolle Hände abzugeben, sollte
seinem Hund diesen Urlaub vom Herrchen mal gönnen.
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Die Zeit geht schnell herum und es sind jetzt schon drei Monate, in
denen Sunny zu uns gehört.
Was für andere als völlig normal aussieht, wie bei Fuß laufen, sich
krabbeln lassen, normal essen oder das Auffordern zum Spielen, sind für
uns enorme Schritte, die Sunny in dieser kurzen Zeit bewältigt hat.
Er kennt die meisten Laufwege, hat den Wochen- & Tagesablaufplan
verinnerlicht und lernt ständig dazu.
Aber es gibt auch immer wieder Situationen, die einen Rückschritt zu
folge haben.
Als wir vor ein paar Tagen unsere letzte Runde abends machten, liefen
wir über die Wiese gegenüber unserem Grundstück, als auf einmal in einem
Nachbarort ein Feuerwerk gezündet wurde.
Und obwohl das Feuerwerk bestimmt 5 Kilometer entfernt war, klemmte
Sunny den Schwanz zwischen seine Hinterläufe und wollte nur noch Heim.
Da half kein “so tun als ob Nichts wäre“ und auch keine
Aufforderung weiter zu laufen. Der Hund wollte nur noch Heim und das
schnell.
Leider betritt er seit dem abends diese Wiese nicht mehr und wir müssen
andere Örtlichkeiten aufsuchen.
Tagsüber hat er kein – oder kaum – ein Problem mit dieser Wiese.
Bei anderen Sachen zeigt er aber auch ein ausgeprägtes Verhalten von
Sturheit.
Ich hätte z.B. gerne, das er vor dem Anleinen, bevor wir das Grundstück
verlassen oder vor dem Einsteigen ins Auto, erst Sitz macht.
Er kennt das Kommando und weiß auch sehr gut was damit gemeint ist, aber
er steht dann erstmal nur da, lächelt mir zu, wedelt mit dem Schwanz und
denkt sich wohl – mach doch selber Sitz….
Er hält das mehrere Minuten durch (wenn ich ihn lasse), bis es ihm dann
doch zu dumm wird und er sich freiwillig hinsetzt.
Oder ich piekse ihn dann sanft auf sein Hinterteil, bis er sich bequemt,
hinzusetzten.
Wenn ich einen schärferen Ton anschlage hat das nur zu Folge, das er
sich ein – zwei Meter von mir entfernen will, setzten tut er sich
deshalb auch nicht schneller.
Und dann… wenn man es gar nicht erwartet, nimmt man mal die Leine vom
Hacken und schwups, sitzt er akkurat vor einem, als ob er das ja schon
immer so machen würde.
Klar wird er dann gelobt und geknuddelt - -aber irgendwie hab ich das
Gefühl er nimmt mich auf den Arm.
Auf dem Grundstück fühlt er sich inzwischen völlig selbstsicher auf und
auch alle Mitbewohner sind als akzeptable Krabbeleinheitenspender
registriert.
Bei neu Ankömmlingen, dauert es zwar noch eine Zeit bis diese angstfrei
beschnuppert werden können, aber im Vergleich zu seinen anfänglichen
Angstreaktionen, hat Sunny sich prächtig entwickelt.
Nach oben
Mit der Zeit stell ich fest, wie wichtig Sunny seine täglichen
Rituale sind.
Es fängt damit an, das er Morgens, nachdem ich aufgestanden bin, aus
seinem Hundekorb (der auf meiner Seite des Betts steht) aufsteht und
sich auf die Seit von meiner Frau legt.
Da bleibt er erstmal liegen, bis ich wieder aus dem bad komme.
Dann steht er aber sofort an der Tür und will seine erste
Gassi-Geh-Runde einfordern.
Dieses Ritual ist völlig unabhängig von der Uhrzeit und kann, je nachdem
wie ich Aufstehen will oder muss mal um 7:00 Uhr oder auch mal um 10:00
Uhr sein.
Danach wartet er geduldig bis es Frühstück gibt.
Nicht das er bettelt oder sabbert, aber von jetzt an bleibt er doch sehr
in der Nähe seines Topfes.
An manchen Tagen futtert er dann den Topf bis auf den letzten Krümel,
aber meistens sucht er sich nur die besten Brocken heraus und schnappt
sich den Rest dann am späten Nachmittag.
Auf der fahrt ins Büro, halten wir noch mal an einer Wiese und machen
eine kleinere Runde. Sunny versucht diese Runde dann durch ausgiebiges
Schnüffeln, so lang wie möglich rauszuzögern. Was ich auch verstehen
kann, weil die nächsten 3 Stunden liegt er dann nur noch unter meinem
Schreibtisch und döst vor sich hin.
Gegen Mittag, so zwischen 13:00 und 14:00 Uhr machen wir dann eine große
Runde am Mainufer lang.
Je nachdem wie viel da los ist, darf er dann ohne Leine laufen.
Hier muss ich aber darauf achten, das er vor mir läuft. Dann ist alles
Ok.
Wenn er erstmal hinter mir nachtrottet, kann es schnell passieren, das
er für sich entscheidet, die Runde zu beenden und zurück zum Büro laufen
will.
Dann wird es schwer ihn mit dem Kommando "Sunny, warten" wieder
einzufangen.
Den Nachmittag verschläft Sunny wieder unter meinem Schreibtisch und
das, obwohl er die Möglichkeit hätte im Hof zu spielen oder sich dort
mit einer Hundedame zu vergnügen.
Gegen 17:00 Uhr holen wir dann sein Frauchen von der Arbeit und gehen
anschließend wieder eine kleine Runde.
Kaum zu Hause, ist Sunny auf der Höhe seines Biorhythmus angekommen.
Jetzt will er spielen, durch den Garten toben und fordert uns ständig
auf mit ihm rumzubalgen. Das geht so eine halbe Stunde bis er erschöpft
aber glücklich ins Haus läuft um mal ne halbe Stunde zu entspannen.
An schönen Tagen nutzen wir diese hyperaktive Zeit auch, mit ihm mal
Fahrrad zu fahren.
Inzwischen schafft er da schon so um die 8 bis 10 Kilometer, was man
mittlerweile auch an seinem Körperbau sieht.
Abendessen gibt’s so um 20:00 Uhr und spätestens um 21:00 Uhr freut er
sich, wenn er mit auf die Couch darf. Dann legt er sich zwischen meine
oder meiner Frau Ihre Beine und genießt die nächste Zeit damit
gekrabbelt zu werden.
Diese Schmuseeinheiten, haben sich trotz (oder gerade wegen) unseren
anfänglichen Couch-Diskussionen, fast verselbstständigt.
Soviel zu unseren Vorsätzen....
(Frei nach dem Motto: Die größten Gegen der Elche, waren früher selber
welche!)
Naja, er genießt es - wir genießen es - und alle anderen können denken
was sie wollen
Gegen 23:00 Uhr gehen wir dann die letzte Runde.
Wobei Runde zuviel gesagt ist. Sunny pinkelt dann noch zwei - drei mal
und will dann so schnell wie möglich in sein Körbchen. Der Kleine Süße
ist dann halt müde.
Meistens ist meine Frau als Erste im Bett und ich sitz noch eine viertel
Stunde am PC.
In dieser Zeit ist Sunny sehr unglücklich....
Er legt sich dann neben sein Frauchen auf den Boden, steht aber bald
wieder auf und trottet zu mir ins Arbeitszimmer, als ob er nachsehen
will, ob ich noch lange mache.
Erst wenn ich mich dann auch hinlege, findet er seine Ruhe und schläft
in seinem Körbchen bis zum nächsten Morgen durch.
Wenn der Tag so verläuft, ist Sunny auch ausgeglichen, kaum bis wenig
ängstlich und ein Traum von einem Hund.
Wenn aber mal einer dieser Tagspunkte ausfällt oder anders verläuft,
steigert sich bei Sunny auch merklich sein Angstverhalten.
Er ist dann unruhiger und lustloser, Kommandos wie Hier oder Sitz zu
befolgen, was im ausgeglichen Zustand schon ungern gemacht wird.
Aber verglichen mit dem Hund, den wir vor Wochen übernommen haben, ist
Sunny inzwischen ein lebensfroher Hund, zeitweise (bei uns in der
Wohnung) selbstbewusst und anderen Leuten gegenüber nicht mehr panisch
verängstig, sonder vorsichtig - aber interessiert.
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Man sagt, Zeit heilt alle Wunden.
Und ich denke, es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, bis wir bei
Sunny von Normalität sprechen können.
Aber Sunny sollte allen Zweifler zeigen, dass auch ein Hund, der sehr
schlimme Erfahrungen in seinem Leben machen musste, mit viel Geduld und
Liebe, zu einem tollen Familienmitglied heranwachsen kann.
Das Tierheim in Ungarn hat von Karen Bilder und Berichte von Sunny
bekommen und wollten gar nicht glauben, das es sich dabei um den
gleichen Hund handelt.
Das macht mich und meine Frau natürlich stolz.
14 Wochen sind eigentlich nur ein Augenzwinkern im Leben eines Hundes
und seinem Herrchen.
Für uns waren es bis jetzt aber schon die schönsten Momente, die wir
nicht vergessen werden.
Vielen Dank an das Tierheim Györ in Ungarn, das sie sich auch so armen
Seelen wie Sunny annehmen und ihnen dadurch die Chance auf ein
hundewürdiges Leben ermöglichen.
Noch mehr Dank gilt aber Karen und Ihrer Familie, die ihr Leben
kompromisslos der Tierhilfe gewidmet haben und immer für Ihre
Schützlinge und Ihre Herrchen und Frauchen da sind.
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Ein halbes Jahr sind dreieinhalb Hundejahre oder eine kleine
Ewigkeit.
Vieles hat sich geändert.
Viele Ängste von Sunny sind verschwunden, als ob sie nie existiert
hätten.
Eine Motorsäge im Garten stört Sunny eben so wenig beim Spielen wie ein
ratternder Güterzug in nur 10 Meter Entfernung.
Fremde Menschen sind halt fremd, aber nach einiger Zeit einfach nur noch
Leute, die zufällig in der Nähe sind und ihn nicht mehr weiter
ängstigen.
Andere Ängste bleiben wohl dauerhaft bestehn.
Die Dunstabzugshaube in der Küche bleibt ein böses Ding, das ihn
veranlasst in den anderen Teil der Wohnung zu wechseln.
Immer öfters ist die letzte Runde (im Dunkeln) Gassi gehen, ein
Spießrutenlauf, weil ja hinter jedem Schatten was böses lauern könnte.
Und eine erhobene Hand - bleibt eine drohnde Geste, bei der er sich
ängstlich hinlegt.
Dafür haben wir gelernt, das Quark in seiner reinsten (fetthaltigsten)
Form etwas sehr leckeres ist. Magerquark und Jogurt dagegen nichts im
Futternapf zu suchen hat.
Wallnüsse dagegen sind ein toller Zeitvertreib und schmecken
hervorragend, wenn man sie erst mal von der Schale befreit hat. Das
macht zwar Sauerei aber auch viel Spass.
Ein Freudenfest für Sunny, ist auch der einmal wöchentliche Besuch im
Alzenauer Hunde-Zaun.
Die Stadt Alzenau hat seit ein paar Jahren ein Waldstück (ca. 150 x 150
Meter) eingezäunt und für Hundebesitzer freigegeben.
Dort kann man ohne Sorgen seinen Vierbeiner frei laufen lassen.
Man trifft fast immer andere Hundebesitzer und die soziale Komponete ist
dabei nicht zu unterschätzen. In Spitzenzeiten (z.B. Sonntags
Nachmittags bei schönstem Wetter) kommen hier auch mal bis zu 20 Hunde
zusammen und trotzdem verliert es sich in dem großen Geländen.
Für Hunde mit sozialen Schwierigkeiten gibt es noch ein zweites, ebenso
großes Grundstück, in dem sich dann immer nur ein Hund aufhält und
trotzdem mal frei laufen darf.
Ob zum Übern oder nur mal um entspannt mit seinem Süssen Gassi zu gehen,
ist diese Anlage ein echter Traum.
Großen Dank und Lob an die Stadt Alzenau.
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