Ich möchte heute mal über Giardien berichten. Giardien sind eine
einzellige Wurmart (auf Fachausdrücke verzichte ich) und in Deutschland
mittlerweile schon weit verbreitet. Laut Aussage unserer Tierärztin hat
sie heute bereits jeder zweite Welpe der in die Praxis kommt. Noch vor
ein paar Jahren war das nicht der Fall, sie kamen vorwiegend im Ausland
wie Ungarn, Rumänien, Tschechien, Italien, Spanien ectr. vor.
Giardien haben ein sehr breites Erscheinungsbild und sie sind auch
gefährlich, weil zu spät erkannt
der Hund / das Tier daran sterben kann.
Ich nehme als Beispielhund hier Snatch, ein Gordonsetter /
Rottweilermix der sehr dünn aus Frankreich zu uns kam. In den Papieren
war mit Warnhinweisen (gelbe Dreiecke) fein säuberlich vermerkt seine
Gewichtsabnahme von 42 Kilo runter gemagert auf knapp 25 Kilo, bei ca.
70 cm. So kam er zu uns,
man konnte alle Rippen und jeden Wirbelsäulenknochen sehen, eine echt
arme Socke.
Die nachfolgende Beschreibung zieht sich normalerweise über Wochen,
manchen Besitzern fällt das Anfangsstadium nicht auf weil z.B. der Hund
nur im hohen Gras macht.
Bei Giardienbefall wechselt der Stuhlgang in der ersten zeit ständig. Er
ist breiig (welcher Hund hat das nicht mal), dann wieder völlig normal,
dann wieder breiig , manchmal mit ein/zwei Tropfen Blut.
Jetzt denken viele Besitzer und auch Tierärzte an Würmer, die ein
ähnliches Erscheinungsbild
hervorrufen. Die Hunde werden entwurmt, der Stuhlgang normalisiert sich.
Normale Wurmkur ist bei Giardien NICHT wirksam.
Die Hunde fressen normal, verlieren schleichend ihr Gewicht.
Kurze Zeit später das selbe Spiel, wieder normaler Kot mit Schleim
überzogen, wieder weg.
Breiiger Stuhlgang bleibt jetzt ein wenig länger, wieder normal, jetzt
denkt sich mancher Besitzer: Vieleicht verträgt er das Futter nicht
(könnte ja sein). Das gewechselte Futter löst Durchfall aus
(könnte auch sein). Und wieder von vorne, sehr dünner Stuhlgang,
manchmal nur Schleim
mit etwas mehr Blut. Jetzt fangen viele Hunde an die ersten Anzeichen
von Bauchweh, erhöhte Temperatur und Unwohlsein zu zeigen.
Dann geht alles sehr schnell, der Hund hat nur noch Durchfall, kann es
nicht mehr halten,
die Farbe des Stuhlgangs ist oft gelblich, schleimig und Blutig,
widerlich stinkend.
Der Hund nimmt sehr schnell ab, ist sichtlich schlapp und wirkt
kränklich (Snatch´s Stadium).
Das ist eine gefährliche Zeit weil der Hund aufhört zu fressen, oder nur
noch sehr wenig frisst. Wenn jetzt nicht erkannt wird was es sein
könnte, besteht die Möglichkeit, dass der Hund daran stirbt. Die
Giardien zerfressen die Darmwand von innen.
Wir haben mit Snatch sofort am ersten Tag mit Panacur, einer Wurmkur,
auch speziell gegen Giardien angefangen. Diese wird über drei Tage
gegeben, dann macht man drei Tage Pause (weil die Giardien ja nicht dumm
sind, sie iiiiiiiiihhhhh Wurmkur Rückzug antreten in die Galle, da
werden sie von der Wurmkur nicht erreicht) und gibt nochmals Panacur. In
dieser Zeit ändert sich in den meisten Fällen erst nach den ersten
drei Tagen der Stuhlgang. Manchmal kommt nur noch pures Blut mit
Schleim, man kann echt Panik bekommen.
Man sollte auf alle Fälle und zur Sicherheit, sich beim Tierarzt ein
Antibiotikum gegen Einzeller
(Wirkstoff
Metronidazol) geben lassen.
Dieses tötet die übrig gebliebenen ab und man kann sich sicher sein,
dass man Ruhe hat.
Gleichzeitig sollte man versuchen die Darmflora vom Hund, die ja
geschädigt ist, wieder aufzubauen.
Weil Snatch schon sehr geschwächt war, bekam er von uns noch spezielle
Aufbaunahrung und Paste
vom Tierarzt. Snatch hat übrigens fast 10 Wochen gebraucht und doppelte
Futterportionen morgens
und abends bekommen, um jetzt wieder ein Gewicht von 39 Kilo zu haben.
Dafür sieht er jetzt hübsch aus
und hat zur Belohnung ein eigenes Frauchen gefunden. Ich gönne es ihm
von ganzem Herzen. :O)
Ich möchte noch auf die Frage eingehen warum sich Giardien auch hier in
Deutschland so ausbreiten. Früher brachte man Giardien immer mit
Hinterhofzüchtern und Dreck in Verbindung.
Dem ist nicht so. Das Problem ist ein anderes. Giardien gehören zu den
extrem beständigen
Einzellern, sie können draußen bis zu drei Monate überleben, vertragen
Minus - Temperaturen genauso wie Hitze. Wenn ein Hund Giardien in sich
trägt scheidet er sie während des gesamten Zeitraums (mal von der ersten
Woche abgesehen) aus, wie oft war ihr Hund z.B. in vier Wochen, und wo
überall sein großes Geschäft machen? Ein anderer, nicht befallener Hund
kommt vorbei, hat die Larven z.B. an der Pfote oder im Fell
kleben. Zuhause angekommen putzt er sich, und schon hat er sich
angesteckt und gleichzeitig geht der Kreislauf von vorne los.
Giardien sterben erst ab einer Temperatur von 70 Grad aufwärts, sie sind
gegen Desinfektionsmittel
unempfindlich. Das macht es wirklich schwer sie zu bekämpfen.
Man sollte, wenn es irgendwie geht die Hundedecken 90 Grad kochen oder
entsorgen.
Fliesenböden kann man mit gekochtem Wasser und Klorix oder nur Klorix
wischen,
damit haben wir sehr gute Erfolge gehabt.
Ich möchte noch sagen, Giardien sind eine wirklich eklige
Angelegenheit, für den Besitzer genauso wie den Hund und ich drücke euch
die Pfötchen dass ihr verschont bleibt.
Und sollte ich was vergessen haben oder ihr noch andere Beobachtungen
gemacht haben
würden wir uns freuen wenn ihr uns das mitteilt.