Herpesvirusinfektion beim Hund
Infektiöses Welpensterben
Infektion des Hundes mit caninem Herpesvirus (Fam. Herpesviridae)
Viren sind besonders kleine Krankheitserreger (ca. 0,0001 mm), die sich
nur in lebenden Zellen vermehren. Das canine Herpesvirus (CHV) wurde
1965 erstmalig als Erreger des infektiösen Welpensterbens in den USA
beschrieben. Der Name der Familie (Herpesviridae) wurde von "herpein" (griech.
= kriechen) abgeleitet, nachdem man erkannt hat, daß die durch Herpes
simplex-Virus beim Menschen ausgelösten Herpesbläschen immer
wiederkehren können.
Hauptmerkmal der Infektion mit caninem Herpesvirus ist die lebenslange (persistierende)
und verborgene (latente) Infektion. Anders herum gesagt: Ist der Hund
erst einmal infiziert, bleibt er es sein Leben lang und ist somit
Virusträger. In Situationen, in denen das Immunsystem dieses Hundes
belastet wird (Streß wie z.B. in Zusammenhang mit Geburt oder mit
Krankheit, bei der Gabe von Corticoiden), kann es zur Reaktivierung und
damit zur Ausscheidung des Virus kommen.
Das Virus kann mit Speichel, Tränen- oder Nasenflüssigkeit und auch
Genitalsekreten ausgeschieden werden. In diesem Falle können sich Hunde
durch direkten Kontakt (gegenseitiges Belecken, Deckakt u.Ä.)
gegenseitig infizieren.
Eine akute Infektion bei einem erwachsenen Hund wird nicht unbedingt
bemerkt. Der betroffene Hund zeigt meist Symptome, die an eine leichte
Erkältung erinnern, z.B. Hüsteln, vermehrter Augen- und Nasenausfluß.
Bei der Hündin kann es zu einer leichten Entzündung des vorderen
Genitalbereiches (Vaginitis) kommen und es können sich wenige kleine
Bläschen an den Schamlippen zeigen.
Meist werden die Hundebesitzer erst aufmerksam, wenn es zu Störungen in
der Fortpflanzung kommt. So bleibt eine Hündin nach dem Deckakt leer,
oder, wenn sie nachweislich aufgenommen hat, bringt sie nur wenige,
keine oder tote Welpen auf die Welt. Welpen können sich schon im
Mutterleib, bei der Geburt oder kurz nach der Geburt infizieren. Solche
Welpen können innerhalb der ersten 2-3 Lebenswochen erkranken und
sterben.
Entscheidend für den Verlauf einer Infektion beim Welpen ist seine
Versorgung mit Muttermilch, die bei einer infizierten Hündin Antikörper
gegen das canine Herpesvirus enthält. Die Aufnahme dieser Antikörper
kann die Infektion zwar nicht verhindern, kann aber den Welpen vor einer
schweren oder gar tödlichen Erkrankung schützen. Die Wahrscheinlichkeit,
daß der Hundewelpe an dieser Infektion stirbt, sinkt ab der 3.
Lebenswoche: ein infizierter Welpe wird jedoch - wie bereits oben
beschrieben - das canine Herpesvirus lebenslang beherbergen.
Akut erkrankte Welpen fallen dadurch auf, daß sie keine Lust haben,
Futter (Milch) aufzunehmen und einen veränderten Kot bis hin zum
Durchfall haben. Es können sich Symptome wie Speichel- und Nasenausfluß,
Atembeschwerden und sogar zentralnervöse Störungen einstellen. Am
auffälligsten ist das anhaltende Schreien der Welpen. Die
Körpertemperatur der Welpen, die üblicherweise bei ca. 390 C liegt,
sinkt ab, sie werden schwächer, verlieren an Gewicht und sterben.
Derzeit sind keine Impfstoffe gegen die Infektion mit canidem
Herpesvirus verfügbar. Als Therapie kann versucht werden, die Abwehr des
tragenden Muttertieres mit Hilfe so genannter Paramunitätsinducer zu
steigern und allgemeine hygienische Maßnahmen einzuhalten.
Die Erkennung von infizierten Hunden und damit auch von Virusträgern ist
möglich, indem fragliche Tiere auf Antikörper gegen canines Herpesvirus
untersucht werden. Hierzu wird dem Hund Blut entnommen und daraus Serum
gewonnen. In einem so genannten Neutralisationstest wird das Serum auf
das Vorkommen von Antikörpern, die sich gegen das canine Herpesvirus
richten, geprüft.
Quelle:
Gießen 20.01.2000
med. vet. L. Vida